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Arzt ohne Grenzen Karl

 

Karl Lampl

Über einen besonnenen und einfühlsamen Arzt, der in seinem Urlaub mit der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ in Krisengebiete fährt, um auch dort zu helfen.

„Bilder, wie zum Beispiel von Opfern, die von Bomben getroffen werden oder von Frauen und Kindern mit schweren Verbrennungen. Diese Vorstellungen an den Hergang versuche ich  auszublenden.“

Erzähl über dein Leben!

Ich bin im Stift Lilienfeld aufgewachsen. Wir waren Kinder, die immer draußen waren. Wir hatten gleich den Wald bei uns. Es war eine schöne Kindheit. Mit 12 Jahren sind die Pfadfinder dazu gekommen.  Das hat einen Abenteuer-Charakter gehabt. Wir haben im Zelt übernachtet, waren wandern und klettern. Wir sind ins Ausland gekommen. Meine Eltern haben Haus gebaut und so sind wir nicht auf Urlaub gefahren. Da sind auch tiefe Freundschaften entstanden. Zur Matura hab ich noch nicht gewusst, welche Richtung ich studieren will. Beim Bundesheer war ich Sanitäter und da wurde mir klar,  dass ich Medizin studieren möchte. Und das würde ich auch jetzt wieder studieren, wenn es nicht die Aufnahmeprüfung geben würde. Die würde ich glaub ich nicht schaffen. Während des Studiums habe ich die Doris kennengelernt. Und daraufhin ist bald einmal die Tanja gekommen. Zu diesem Zeitpunkt haben wir aber noch keine abgeschlossene Ausbildung gehabt. Nach Absolvierung des Turnus wollte ich noch Facharzt werden und mich hat am meisten die Notfallmedizin interessiert. Ich habe mir gedacht: „Da machst du was und siehst gleich den Erfolg deines Tuns“. Im AKH habe ich die Ausbildung zum Anästhesisten absolviert.

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Wie bist du zu den Ärzten ohne Grenzen gekommen?

Früher wollte ich immer Tropenarzt werden. Ich wollte ins Ausland gehen. Da hat mich unser Pfadfinderführer beeinflusst, der auch Arzt war und in Afrika praktiziert hat. Mit 40 Jahren habe ich mich dann dazu entschlossen, mich bei Ärzte ohne Grenzen zu bewerben. Jetzt bin ich einmal im Jahr, wenn ich mir einen Monat Urlaub nehme, in Krisengebieten.

Wie kann man sich den Alltag als Anästhesist vorstellen?

Wir machen die Narkosen. Ich habe eine Kernarbeitszeit, die von halb acht bis um zwei läuft und vierundzwanzig Stundendienste. Da bin ich im Operationssaal und verabreiche jede Art von Narkosen. Der zweite Teil ist die Intensivmedizin. Das heißt, in diesem Bereich werden Patienten, die schwer krank sind und durch Organschäden oder schwere Unfälle in Tiefschlaf versetzt werden müssen, versorgt. Als Facharzt hat man auch noch die Aufgabe, die Assistenten zu coachen. Sie müssen beispielsweise lernen, wie man eine Narkose macht. Als Notarzt bin ich nicht mehr unterwegs, das machen eher die Jüngeren.

Was ist das Schönste an deinem Beruf?

Das Schönste ist, wenn die Leute gesund werden, die ohne deine Hilfe nicht überleben würden und dich später noch besuchen kommen. Das machen viele.

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Erdbeben in Haiti

Was ist das Schlimmste an deinem Beruf?

Das sind Komplikationen bei Eingriffen. Unter Komplikationen verstehen wir Schäden, die durch deinen Eingriff verursacht werden. Das ist der Horror-Albtraum eines jeden Anästhesisten. Das wäre mein Albtraum. Ein Spruch in der Medizin lautet ja: „ Als erstes Gebot nicht dem Patienten schaden!“

Wie verarbeitest du die Bilder von leidenden Menschen?

Das ist ein Problem.

Wenn du einen Patienten mit seinen Verletzungen siehst, bleibt oft nicht viel Zeit. Du weißt, dass Atmung und Kreislauf erhalten und Blutungen gestillt werden müssen. Man muss einfach tun.

Woran ich schlecht denken kann, ist der Hergang dieser Unfälle oder auch Straftaten, wie Vergewaltigungen. Es sind schlimme Bilder, wie zum Beispiel von Opfern, die von Bomben getroffen werden oder von Frauen und Kindern mit schweren Verbrennungen. Diese Vorstellungen versuche ich auszublenden.

Ist es überhaupt möglich Mitgefühl zu entwickeln?

Ein guter Arzt hat Empathie. Im Schockraum gibt es keinen Platz für Mitgefühl, hier gilt es, den Abläufen zu folgen. Während des Aufenthalts im Krankenhaus und bei der Visite hat man natürlich Empathie.

Arztsein ohne Empathie ist schwer möglich. In einer Notfallsituation im Schockraum gilt es aber primär, zielgerichtet gewissen Abläufen zu folgen, um den Patienten zu stabilisieren. Während des Aufenthalts im Krankenhaus und bei der Visite muss man  Empathie haben.

Wo warst du überall mit Ärzte ohne Grenzen?

Die letzten Jahre war ich viel im arabischen Raum: Jemen, Gaza Streifen, Syrien. Dann war ich in Afrika und in Haiti und Pakistan nach einem Erdbeben. Meine erste Mission fand in Sri Lanka statt.

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Hast du nie Sicherheitsbedenken?

ÄoG sind sehr gut über die Sicherheitslage in den verschiedenen Gebieten informiert und sind sehr bedacht auf die Sicherheit der Mitarbeiter. Leider mussten ÄoG nach Angriffen auf einige seiner Spitäler Personal abziehen. Sie werden aber weiterhin mit Krankenhausbedarf versorgt und finanziell unterstützt.

Wie würde dich dein bester Freund beschreiben?

Eher als ruhigen Typen, der sich nicht in den Vordergrund spielen will. Also nicht unbedingt das Alphatier. Tolerant, verlässlich und hilfsbereit. So würde ich hoffen, dass mich jemand beschreibt.

Was war dein bewegendster Moment in deinem Leben?

Das war die Geburt von der Tanja. Da hatte ich sogar Tränen in den Augen.

Was war dein prägendster Lebensabschnitt?

Einer war sicher die Geburt von der Tanja. Ein anderer war meine Ausbildung. Da hat es einige Charaktere gegeben, die mich gefördert und gestärkt haben. Die Einsätze waren prägend. Wenn du auf so einem Einsatz warst, dann lernst du zu schätzen, wie gut es uns geht. Es fällt mir schwer, einen Abschnitt als den prägendsten zu nennen. Es war jeder Abschnitt etwas Besonderes. Meistens war es auch die Art der Einheimischen mit Krisensituationen umzugehen.

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Hast du Hobbies?

Ich gehe gerne Skitouren, Laufen und Mountain Biken. Auch Musik und Theater weiß ich zu schätzen.

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