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Beatproduzent Marvin

Marvin Okelola

Über einen kreativen und sportlichen Menschen. Marvin lebt für die Musik und verwirklicht seinen Traum, nämlich das Hobby zum Beruf zu machen und das klingt bereits lit. Mit seiner humorvollen Art ist er ein sympathischer Typ.

„Mich stört, dass man als Rapper ein Gangster sein muss.“

Erzähl von deinem Beruf und deinem Hobby!

Mein Hauptberuf ist EMS Trainer, Fitnesstrainer. Das ist eine relativ neue Art des Trainings. Eigentlich ziemlich cool. Es funktioniert mit Elektrostimulation, das heißt man bekommt Sensoren und eine Weste, wo der Strom durchläuft und dann trainierst du damit. Mein Hobby ist Musikproduzent. Hauptsächlich im Hip Hop Bereich, Richtung Trap. Ich produziere Musik. Wenn du im Radio einen Song hörst, dann hörst du einerseits die Stimme und andererseits die Hintergrundmusik. Lässt du die Stimme weg, dann ist alles andere, was ich mache. In Österreich heißt es auch Komponist. Produzent beziehungsweise Producer heißt es eigentlich nur in Amerika. Bei uns ist es mehr so, dass ein österreichischer Produzent den Gesang und den Beat zusammenfügt. Der arbeitet dann am Zusammenstellen, sodass alles gut zusammenpasst. Ich nehme verschiedene Instrumente und baue einen neuen Sound zusammen.

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Ist der Beat wichtiger als der Gesang?

Der Beat ist das Rückgrat eines jeden Songs. Eigentlich ist der Beat mittlerweile wichtiger als die Stimme geworden.

Wie bist du zum Produzenten geworden?

Durch meinen Bruder. Er hat angefangen Techno zu produzieren. Ich hab das dann gesehen, wollte selber etwas basteln und meine Kreativität spielen lassen. Ich hab mir Hip Hop Maker gekauft, da hat man schon vorgefertigte Loops und man braucht eigentlich nur noch die Melodie, die einem gefällt. Dann hat mich das aber gelangweilt und ich hab damit begonnen aus den Loops, Kicks auszuschneiden und baute mir meinen eigenen Beat.

Hast du schon immer Hip Hop gehört?

Techno habe ich nie gehört, weil es mein Bruder gehört hat. Ich habe es gehasst, wenn es aus seinem Zimmer rausgekommen ist. Ich hab angefangen mit Punk. Meine ersten CDs waren The Offspring, Millencolin, Nofx. Dann habe ich Heavy Metal gehört. Das Schöne war, dass ich mich nicht fixiert habe und jede Musik gehört habe, die ich hören wollte. Mein Opa war bei den Wiener Philharmonikern Querflötist. Bei meinen Großeltern haben wir nur klassische Musik gehört. Bis ich mal Lil Wayne gehört habe, dann war es vorbei.

Ist es also zufällig passiert, dass du zu Hip Hop gekommen bist? Relativ zufällig. Aber ich hab mich auch damals gefragt: „Wieso Klischee?“ Als Afrikaner oder Dunkelhäutiger muss man ja nicht Hip Hop hören. Ich hab mich aber schon komisch gefühlt, wie ich das Millencolin T-Shirt anhatte oder eine Kette von Korn trug.

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Erzähl bitte über deinen prägendsten Lebensabschnitt!

Das war die Reise ins Ausland. Durch American Football, das ich nebenbei als Hobby betrieben habe, bin ich gefragt worden, ob ich das halbprofessionell machen möchte. Nach dem Bundesheer habe ich Ja gesagt, weil es die einzige Möglichkeit ist, das zu machen. Und ich hab gesagt: „Scheiß drauf, das mach ich jetzt.“ Und bin nach Neuseeland gegangen. Dort habe ich ein halbes Jahr Football gespielt. Dann habe ich auch in Mexiko gespielt. Die Menschen und die einzelnen Kulturen verändern dich. Die verändern dein ganzes Weltbild. In Neuseeland hast du die Leute, die fröhlich und aufgeschlossen sind. In Mexiko siehst du die Armut. Dort sind die Menschen glücklich, glücklicher als in Österreich. Die haben nichts und schenken dir trotzdem alles, was sie haben.

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Was war der erinnernswerteste Moment während deiner Reise?

Es waren viele positive und auch einige negative Sachen. Die positiven überwiegen. Teilweise lebst du gefährlich und lernst dein Leben zu schätzen. Zum Beispiel liest du in der Zeitung, dass eine tote Frau gleich nebenan im Kofferraum eines Autos gefunden wurde. In Mexiko hörst du jeden Tag Schießereien, siehst Polizei-Gruppen mit Maschinengewehren Gassen stürmen und Leute verfolgen. Das Gefährliche ist gerade präsenter, denn man denkt sich: „Du bist irgendwo auf der Welt und weißt nicht, was du eigentlich tun sollst. Hoffentlich geht es gut aus.“

Was war dein bewegendster Moment in deinem Leben?

Der bewegendste Moment war für mich, als ich in der Fußballakademie gespielt habe und ich das nicht mehr machen wollte. Mir ist es so schlecht gegangen in der Schule. Da war ich 14-15 Jahre alt. Das war einfach nichts für mich. Aber ich hab genau gewusst, dass meine Eltern dafür gezahlt haben. Ich habe mich einfach nicht wohlgefühlt mit den anderen Fußballern und den Lehrern. Das ganze Umfeld in der Kombination gefiel mir nicht. Da sind manche ganz komische Menschen gewesen, sehr primitiv, denken nur an Ergebnisse und an die Spielberichte. Es waren einfach einige Proleten dabei. Die kommen in die Dusche und machen mit Ihren Penissen Propeller. Da denkt man sich: „Wo bin ich hier eigentlich gelandet?“ Ich war mir sicher, dass ich es weiter geschafft hätte. Ich bin zuhause weinend im Bett gelegen und dann ist meine Mutter reingekommen und ich hab ihr gesagt, ich pack das einfach nicht mehr. Das war meine erste Entscheidung im Leben, was meine Zukunft betraf.

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„Renas ist ein wichtiger Künstler mit dem ich zusammenarbeite“

Was ist das Faszinierende an deinem „Noch-Hobby“?

Das Faszinierendste ist einfach, wie arg viele Möglichkeiten es gibt, verschiedene Töne zusammenzusetzen, dass es immer wieder was Neues wird. Es macht mir am meistens Spaß, wenn ich einen Beat erschaffe und dann jemand etwas drauf machen will.

Was war das Projekt auf das du am meisten stolz bist?

Hinter der Hauptrolle von Spinning 9. Da habe ich vier Produktionen drauf und das ist meine erste offizielle CD, die im Handel zu kaufen ist. Das war immer so ein kleines Ziel.

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Sicht aus der Aufnahmekabine

Wie bist du zu Spinning 9 gekommen?

Den habe ich im Internet über Soulja Boi kennen gelernt, er ist bei SODMG Records von Soulja Boy. Er ist der einzige deutschsprachige Hip Hopper, der von ihm gesinged wurde. Ich habe ihn in einem Video gesehen und hab mir vorgenommen, etwas mit ihm zu machen.

Gibt es etwas, was dich an Hip Hoppern oder Rappern stört?

Mich stört, dass man als Rapper ein Gangster sein muss. Viele glauben sie müssen ein gewisses Gefühl rüberbringen, sodass sie respektiert werden. Sie müssen ein Bad Boy Image haben, um ein Rapper zu sein. Das muss man nicht. Man kann ein netter Mensch sein, kann trotzdem gute Texte schreiben und eine gute Stimme haben.

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Bei Hip Hop oder Rap Texten kommen oft frauenfeindliche, gewalt- und drogenverherrlichende Themen vor, wie stehst du dazu?

Das ist ein Bild, dass sie glauben haben zu müssen. Viele fangen deswegen an, weil sie glauben, dass es cool ist. Gut, Drogen soll jeder nehmen wie er will, meiner Meinung nach. Frauenfeindlichkeit kommt nicht nur von den Rappern ohne Grund. Manche Frauen sind teilweise wirklich ähnlich schlimm und sind froh, dass Sie so genannt werden. Die wollen das teilweise so. Sieh dir die Amerikaner an, die wollen wirklich nur Tussis vom Feinsten sein. Für die Allgemeinheit ist es zu ehrlich glaub ich. Wenn Sie zum Beispiel von Stripperinnen und sonstigen Sachen reden. Wenn Sie jetzt Bitch sagen, dann kommt das auch nicht von irgendwo her. Sie reden von denen, die Prostituierte sind. Was mich bei Deutsch Rap stört ist, dass es in Deutschland nicht der Realität entspricht.

Was ist für dich Reichtum?

Reichtum ist, was man selbst benötigt. Wenn einer mehrt benötigt, dann braucht er mehr. Ich benötige das und das zum Leben und ich möchte ausgesorgt haben. Dass ich meinen Kindern helfen kann, sollte etwas sein. Wenn ich Kinder habe, dann will ich abgesichert sein.

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Was werden die größten Veränderungen von Hip Hop oder Rap in der Zukunft sein?

Das ist schwierig zu sagen, weil ich einmal nach Amerika und einmal nach Deutschland blicke. Und alles was in Amerika ist, ist irgendwann in Deutschland. Ich bin gerade einen Schritt zurückgegangen. Früher hätte ich es sagen können, aber jetzt hink ich selber hinten nach, weil ich mehr in der deutschen Szene bin. Ich würde sagen, dass sich Trap mit House Elementen verbinden.

Wie würde dich dein bester Freund beschreiben?

Da musst du ihn interviewen.

Welche Eigenschaften würdest du dir zuschreiben?

Ich bin schwer zu stressen und unterzukriegen. Ich sehe jede Situation positiv. Ich arbeite sehr daran, mich zu verändern.

Was glaubst du passiert nach dem Leben, wenn du tot bist?

Ich bin ohne Bekenntnis und ich glaube, es passiert nichts nach dem Leben. Was soll ich jetzt über den Tod nachdenken, wir sind jetzt hier.

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Wenn du dein Leben nochmals leben könntest, würdest du etwas ändern?

Früher mit der Musik anfangen vielleicht. Nicht solange bei alten Freundschaften hängen zu bleiben, die mich eigentlich gebremst haben, mit dem was ich gemacht habe. Die Zeit, die ich mit manchen verbracht habe, hätte ich wahrscheinlich längst mit meinem Bruder verbracht.

 

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