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Künstler Krassimir

Krassimir Kolev

Über einen Künstler, Freigeist und Suchenden. Ein Besuch im Museum kommt für ihn einem Drogentrip gleich. Ein Leben im Zoo in einem Gehege als Mensch wäre eine Erfahrung, die er gerne mal erleben würde. Krassimirs größte Leidenschaft ist die Kunst. Er verbringt die meiste Zeit, wenn er gerade nicht seinem geordneten Job als Grafiker nachgeht, in seinem Atelier. Ich habe Krassimir über seinen Alltag als Künstler, Glück, Liebe und sein Leben interviewt.

„Wenn ich in ein Museum gehe, dann kann ich nicht länger als ein paar Stunden hingehen, weil ich sonst Fieber bekomme.“

Warum bist du Künstler geworden?

Ich hatte keine Wahl, irgendwie. Schon als Kind hatte ich den Traum. Obwohl es für mich kein Traum ist. Es ist eine tiefe, wie sagt man, Bewusstheit, dass ich das werde. Du weisst, wenn Kinder Träume haben, dass sie Astronaut oder Seemann werden, habe ich den Traum Künstler zu werden gehabt. Es war für mich selbstverständlich.

Was ist für dich Kunst?

Boah, das ist… Ein schönes Zitat von Picasso lautet: „Wenn ich wüsste was Kunst ist, hätte ich das für mich behalten.“ Aber Kunst ist für mich, die eine Fähigkeit, die wir Menschen haben, uns kreativ auszudrücken. Ich betrachte jede Kreativität als Kunst. Natürlich gibt es viele Arten der Kunst, Musik, Tanz oder bildende Künste.

Wenn du deinen Tag vom Aufstehen bis am Abend beschreiben würdest, was machst du da alles?

Ich stehe in der Früh auf, esse Frühstück und dann gehe ich in mein Atelier. Zuerst will ich in der Atmosphäre landen. Oft stehen Sachen, die ich noch nicht zu Ende gemalt habe, noch da. Oft will ich die unvollendeten Bilder gar nicht sehen, sondern etwas Neues beginnen. Ich brauche dann eine Anpassungszeit, in der ich ein bisschen nachdenke und mich inspirieren lasse. Dann beginne ich zu arbeiten. Wenn keine Inspiration da ist, dann beginne ich einfach. Ich mache ein paar kleine Pausen, esse was oder es kommt wer vorbei und ich habe ein bisschen Spaß mit jemandem. Oft habe ich Modelle, dann zeichne, male und fotografiere ich diese. Wenn sie weg sind, mache ich weiter. Am Abend gehe ich nach Hause.

Ist deine Kunst ein Zusammenspiel zwischen dir und deinen Modellen? Inspirieren dich die Menschen?

Für mich sind die Modelle nie Statisten, jedes Modell ist eine neue Geschichte, ein neuer Roman, den ich lesen will. Und wenn ich diese Person lese, dann will ich das weitererzählen . Diese Erzählungen sind meine Bilder. Aber zu 99% sind meine Modelle keine Statisten für meine Ideen, sondern umgekehrt. Ich gestalte es zusammen mit meinen Modellen. Wenn mich ein Modell inspiriert, dann ist es wie beim Fußball spielen, wir passen zueinander, bis man irgendwann ein Tor schießt.

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Was war dein bewegendste Moment in deinem Leben?

Ich habe eine wunderschöne Tochter und der bewegendste Moment war, wie wir sie bekommen haben. Eigentlich kann ich sagen, dass es das war, was mich am meisten bewegt hat. Wir haben Sie aus China adoptiert, sie war 1 Jahr alt. Also ich bin in Bulgarien geboren, meine Frau ist in Schweden geboren und unsere Tochter ist in China geboren. Wir sind ursprünglich 3 verschiedene Nationen, aber haben alle die schwedische Staatsbürgerschaft und wohnen in Österreich. Es ist also so gemischt, wie es nur geht.

Was bedeutet für dich Liebe?

Liebe ist alles. Liebe ist das Leben. Liebe bedeutet für mich, ehrlich zu sein, zu sich selbst und zu den Leute rund um mich. Liebe ist, frei geben zu können und frei nehmen zu können.

Was bedeutet für dich Glück?

Noch eine philosophische Frage. Glück ist glaube ich, in Liebe leben zu können. Das ist für mich das optimale Glück. Ich bin noch nicht dort, aber ich arbeite daran.

Das bringt mich gleich zu meiner nächsten Frage, was ist dein größter Traum?

Vielleicht dass ich in Liebe leben kann. Das ist das, was ich mir für mich am meisten wünsche.

Kannst du beschreiben, was das für dich bedeutet?

Im Detail habe ich keine Ahnung. Im Grunde ist es das, was ich über Liebe gesagt habe: Dass man frei geben und nehmen kann. Dass man ehrlich sein kann, erstens mit sich selbst und zweitens mit den Leuten, die einem nah stehen. Beruflich würde ich sagen, dass ich dort hinkommen will, dass ich freischaffend sein kann.

Wie würde dich dein bester Freund beschreiben?

Weil er mein bester Freund ist, würde er mich ganz toll finden, aber gleichzeitig  würde er wissen, dass ich viel Schattenseiten habe, da ich auch viele beleuchtete Seiten haben. Und jede Seite, die beleuchtet ist, hat auch eine Schattenseite.

Kannst du uns da ein Beispiel geben?

Was weiß ich. Ich kann oft als eine sehr extrovertierte, kommunikative, frohe Person wirken, die viel lacht. Aber kurz danach kann ich ziemlich zurückhaltend sein. Ich spreche dann nicht viel. Dann ist meine Stimmung mehr gedrückt. Das ist ein Beispiel für eine Schattenseite.

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Was glaubst du, was passiert nach dem Leben, wenn man tot ist?

Dann beginnt das richtige Leben. Das glaube ich.

Wie sieht das richtige Leben für dich aus?

Für mich sieht es so aus:  Ich lebe mit Gott zusammen. Ich betrachte Himmel und Hölle nicht als einen physischen Platz, sondern es ist ein Zustand -ein seelischer Zustand. Ich glaube nicht, dass die Seele stirbt. Der Körper stirbt.

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Gibt es einen speziellen Punkt, an den du nochmals in deinem Leben zurückgehen wollen würdest, um etwas zu verändern?

Das glaube ich nicht. Wenn ich nochmals mit der Gewissheit zurückgehen könnte, dass ich die Erinnerungen meines derzeitigen Lebens nicht vergessen würde, dann würde ich das sehr gerne machen. Ich würde dann ganz anders leben, damit ich noch mehr andere Erfahrungen sammeln kann.

Was machst du, wenn du einfach nur faul sein willst?

Ich mache gar nichts. Ich bin von Natur aus sehr faul. Ich würde gerne einmal als Mensch in einem Zoo leben. Neben einem Affen und einer Giraffe hätte ich gerne einen eigenen Käfig. Und da mache ich den ganzen Tag nichts, außer schlafen und essen. Das schönste wäre, wenn sich alle um mich kümmern. Manchmal denke ich so, aber ich würde es absolut jetzt nicht leben wollen.

Hast du ein Hobby abseits der künstlerischen Tätigkeit?

Ich versuche ein reiches Leben zu leben. So reich wie möglich, ich versuche viele Filme zu sehen, so oft wie es geht zu lesen oder Konzerte zu besuchen. Das sind Sachen, die mich inspirieren und reicher machen. Wenn ich zu einer Ausstellung oder einem Konzert gehe, können die Eindrücke eine starke Wirkung auf mich haben, sodass ich mich tagelang danach so fühle, als hätte ich Drogen genommen. Wenn ich in ein Museum gehe, dann kann ich nicht länger als ein paar Stunden hingehen, weil ich sonst Fieber bekomme. Ich nehme die Eindrücke so stark wahr. Wenn ich in ein Museum gehe, wünsche ich mir den ganzen Tag dort zu bleiben. Ich kann das aber nicht mehr den ganzen Tag machen, einige Stunden aber schon.

Krassi_quer

Zum Abschluss hat mich Krassimir noch gemalt. Danke Krassimir!

Krassi_Gemälde

 

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