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DJ und Veranstalter Jan

„Hast du lieber nie wieder Sex oder würdest du lieber nie wieder Musik hören können?“ Und für mich war klar: „Nie wieder Sex“.

Vor zwei Jahren gründete Jan mit seinen Freunden das Veranstalterkollektiv „Jux & Tollerei“. Die Idee entstand durch eine WG-Party, die liebevoll und spektakulär gestaltet wurde. Seitdem finden an ausgewählten Locations stimmungsvolle Partys statt, die meist nach einem Motto dekoriert werden.

Geboren in Lauterbach in Deutschland verschlug es Jan nach Wien, wo er auch sein freiwilliges soziales Jahr ableistete und seine Ausbildung an der Grafischen absolvierte. Seine Berufung hing schon damals mit seinen Hobbies stark zusammen: „Ich habe dort auch zum Skaten angefangen, war früher sehr oft auf Konzerten und habe damals schon ins Grafische reingefunden. Ich habe ein bisschen gesprayt, Schablonen gemacht, viel gezeichnet und auch schon selber Mixtapes gemacht.“ In Wien war auch der Grundstein für das Veranstaltungskollektiv „Jux & Tollerei“ gelegt.

Jux und Tollerei

Jan DJ und Veranstalter

Mit seinen damaligen Mitbewohnern Jakob und Peter hat er sich nicht nur sehr gut verstanden, sondern auch festgestellt, dass sie dieselbe Art von Musik und Partys mögen. So wurden die ersten Party-Ideen in der eigenen WG getestet und zu einem Erlebnis der besonderen Art verwandelt. „Wir wollten etwas richtig Cooles machen, die Wohnung umgestalten und mit DJ’s und Lichttechnik begeistern.“

„Wir haben gemerkt, dass wir an Ideen übersprudeln und auch Deko gebaut.“

Riesige Bilder mit Nintendo Grafiken wurden ausgedruckt, auf Pappe geklebt und interessant beleuchtet. Der Vorraum wurde komplett schwarz ausgekleidet, ein Stroboskop platziert. Es wurde eine Atmosphäre wie in einer anderen Welt erschaffen. Die Begeisterung der Besucher gab den Dreien Recht. „Die Party hat bis zum nächsten Tag um 12 Uhr mittags angedauert. Die Nachbarn haben wir mit Ohropax und Schokolade quasi bestochen. Und so war auch keine Polizei da. Sie haben gesagt einmal im Jahr könnt ihr das machen. Das war der Startschuss.“ Den Nachbarn durfte es auch gut gefallen haben oder sie haben es zumindest geduldet, da sie dem Kollektiv jedes Jahr eine derartige Party zugestanden. „Und so entstand Jux & Tollerei“. Nach dem Peter das Team verließ und René dazustoß, wurde damit begonnen damit begonnen im Club „Dual“ Partys zu veranstalten. Auch diese Partys waren gut besucht.

Durch Jux & Tollerei hat Jan sich fachlich und persönlich weiterentwickelt. Während es in Deutschland noch eine Leidenschaft war Musik zu hören und ab und zu ein Mixtape zu erstellen, wurde mit Jux & Tollerei in Wien ein neues Kapitel aufgeschlagen. Mit Jux & Tollerei stand der Entschluss fest DJ zu sein. „Durch dieses Ziel habe ich mir die Technik beigebracht und durch den Austausch auf den Partys auch viel gelernt. Durch die Leute, die ich kennengelernt habe, sind wertvolle Freundschaften und Kontakte entstanden.“

Am Üben für die nächste Jux & Tollerei Party

Ursprünglich wollte man mit Jux & Tollerei Partys mit Deko veranstalten. Früher gab es eher keine Partys, die viel mit Dekoration -abgesehen von Goa und Psytrance Partys- gearbeitet haben.

Mittlerweile hat sich das geändert: es gibt etliche Kollektive, die im Kleinen, wie auch im Großen Partys mit viel Wert auf Dekoration veranstalten. Und das auch sehr erfolgreich! Unser Beweggrund war der, dass wir fanden, dass es nicht mehr so viele geile Partys gibt.“ Ein weiterer Auslöser war das Schließen des Stammclubs „Pratersauna“. Mit der Dekoration und dem Motto unterscheiden sich Jux & Tollerei weiterhin: „Heute dreht sich viel um Fantasie- oder Feenwelten und wir machen sehr viel Unterschiedliches. Einmal hatten wir das Thema „Mondlandung“ oder „The man who knows“, eine arabisches Motto. Im Opera Club brachten wir abstrakte Kunst ins Nachtleben. Zukünftig werden wir noch experimentellere Sachen bringen.“ Natürlich steht bei Jux & Tollerei auch die Musik im Vordergrund: „Bei einer typischen Jux & Tollerei Party wird man schnelle elektronische Musik vorfinden. Im groben Rahmen spielt es House oder Techno. Das sind zwar eh schon verwaschene Genres. Aber in diese Richtung geht es. Es wird jetzt keine Drum and Bass oder Downtempo Musik spielen.“

Die Vision von den Freunden ist es spektakuläre Club-Partys zu veranstalten und danach, wenn genug Geld gesammelt wurde auch Open Airs zu machen. „Ohne viel Planung einfach eine Party im Freien zu machen auf das freue ich mich schon.“ Jux & Tollerei war nie als kommerzielles Projekt gedacht, sondern als Projekt, das allen Beteiligten, Freude bereiten sollte. „Wir sind sehr auf ein Miteinander bedacht. Das heißt wir laden viele Leute aus anderen Kollektiven ein und wurden somit auch öfters eingeladen.“

Bisher stand fest, das Auflegen nicht zum Beruf zu machen. Österreich sei dafür ein zu kleines Land und der Sprung in die internationale Karriere ein enorm großer. Die Tatsache, dass hier und da einmal ein wenig Geld verdient wird, reicht ihm auch vollkommen aus. Und gerade weil es auch ein Hobby ist, macht es Jan nichts aus, dass manche Auftritte mal nicht bezahlt sind. “Es soll Spaß bleiben und es ist schön wenn dabei etwas rausspringt.“

DJ sein, ist leichter gesagt als getan, denn da gibt es viele Dinge die berücksichtigt werden müssen: „Erstens, dass er das Equipment, das er hat, beherrschen kann. Ich finde, wenn jemand mit einem Controller spielt, macht es denjenigen nicht automatisch zu einem schlechten DJ. Und wenn jemand mit Platte spielt, macht es denjenigen nicht zu einem guten DJ. Jeder muss mit dem Werkzeug, das er zur Verfügung hat, gut umgehen können. Dann muss der DJ gute Musik ausgewählt haben. Im Vorhinein ausgesuchte Sets, die dann stur abgespielt werden, halte ich nicht für gut. Das habe ich selbst auch schon gemacht, weil ich nervös war und nichts falsch machen wollte. Mittlerweile weiß ich, dass es eine schlechte Idee ist. Denn ein guter DJ ist jemand, der das Publikum richtig lesen kann. Damit meine ich, dass ein DJ auf das Publikum eingehen und erkennen muss, ob Leute gerade eher wild weiter tanzen wollen oder auch mal etwas Ruhigeres möchten.“

Die Frage „Was bedeutet für dich Musik?“ ist sicherlich keine leichte. Jan hat dazu aber eine sehr humorvolle Antwort parat:Meine Freundin stellt mir meistens so blöde Fragen, wie zum Beispiel: „Hättest du lieber keine Arme oder keine Beine mehr?“ Und sie hat mich mal gefragt: „Hast du lieber nie wieder Sex oder würdest du lieber nie wieder Musik hören können?“ Und für mich war klar: „Nie wieder Sex“. Du wunderst dich vielleicht jetzt, aber ich habe mir überlegt, jetzt bin ich noch aktiv, aber in älteren Jahren eher nicht mehr. Mit Musik kann man viele Stimmungen erzeugen. In schlechten Zeiten kann man sich aufmuntern, in guten Zeiten hochputschen oder es kann dich melancholisch machen. Ich höre jeden Tag aktiv 1-2 Stunden Musik.“

Im Augenblick überlegt Jan ins Veranstaltungsmanagement zu wechseln, da das Organisieren von unterschiedlichen Events ihm richtig Spaß macht. „Durch unsere Jux & Tollerei Partys habe ich schon sehr viel Erfahrungen sammeln können. Mir macht das einfach Spaß und ich kann das auch ganz gut.“ Dass dann Freunde und Besucher sagen, dass das eine gute Idee ist, überrascht kaum einen. „Ich bin einer der gerne viel plaudert und extrovertierter ist. Und bei dem eine gewisse Kreativität vorhanden ist. Ich kann mir das gut vorstellen, da es sehr abwechslungsreich ist und ich mit dem Stress gut klar komme.“

Auf die Frage: „Was war dein bewegendster Moment in deinem Leben?“ meint Jan, dass ein positives Highlight beispielsweise ein Fallschirmsprung war, der zwar Überwindung kostete, aber kurz nach dem Absprung „Richtig geil!“ war. Weitere schöne Momente waren auf Konzerten. „Beim Moderat Konzert in der Arena standen mir beinahe Tränen in den Augen, weil es so schön war. Die Lichtshow und die Musik waren überwältigend.“

Party ist nicht gleich Party und schon gar nicht für Jan „Für mich ist eine gute Party, wenn man mit Freunden unterwegs ist und Sachen spontan macht. Ich bin bei vielen Dingen nicht spontan, aber beim Fortgehen gerne. Das ist oft eine gute Entscheidung. Gute Musik und Tanzen gehört für mich noch dazu.“

Wie würde dein persönliches Utopia aussehen? Jan meint dazu, dass es jedenfalls keinen Krieg geben dürfte und weiter: „Das ist vielleicht eine lahme und keine originelle Antwort, aber das wäre in meinem Utopia auf jeden Fall eine Grundvoraussetzung. Es gibt so viele schlimme Sachen und es hat alles mit Gewalt zu tun und in meinem Utopia wären Menschen friedlich. Sie würden gemeinsam Sachen machen, die allen was bringen.“

Freunde beschreiben Jan als vielseitig interessiert, aktiv, loyal und begeisterungsfähig. Auch hat er oft gehört, dass er einen guten Musikgeschmack hat.

Die Frage, was Glück für einen bedeutet, hat Jan folgendermaßen beantwortet: „Eigentlich, bedeutet Glück für mich, wenn ich zufrieden bin. Glücklich bin ich dann, wenn ich mit dem, was ich habe, mein Auslangen finde. Mein Auslangen habe ich mit einem Job, genug Geld, einem intakten Freundeskreis, einem erfüllenden Hobby, einer Freundin und vielleicht noch einer Familie. Man könnte sagen man ist glücklich, wenn man reich ist. Ich glaube aber nicht, dass man dann automatisch glücklich ist.“

Sehr erfolgreiche Projekte sind unter anderem eine Kollaboration von Jux und Tollerei -Jakob, Rene und Jan- mit den Leuten von der Mondscheingasse, die bereits zweimal im Club „Curtain“, einmal im „Opera Club“ und „Elektro Gönner“ stattfanden. Gemeinsam nennen sie es „Rainbow Ranger Disco Club“. „Das ist auch eine Veranstaltungsreihe, bei der das Hauptaugenmerk auf der Musik liegt. Deko zwar auch, aber erst dann wenn wir finanzielle Mittel angesammelt haben. Da gibt es viel House und Funk und zur späteren Stunde Düsteres und Heftigeres zu hören. Da bin ich gespannt, wie es weiter geht.“

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