Lebenskunst
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Entschuldigung Liebe

 

Liebe und Entschuldigung sind zwei Freunde und obwohl sich die beiden sehr nahe stehen, fühlen sich Entschuldigung und Liebe sehr leer. Entschuldigung und Liebe sind alltäglich geworden. Liebe kann sich noch an bessere Zeiten erinnern, wo Entschuldigung zu Liebe sagte: „Liebe, du bist meine große Liebe“. Entschuldigung erinnert sich an die Zeiten, wo Liebe es mit Entschuldigung noch ernst meinte. Nun weiß Liebe, dass Entschuldigung zu jeden Liebe sagt und Entschuldigung wiederum weiß, dass Liebe mehrere Entschuldigungen hat. Seitdem sind Liebe und Entschuldigung keine Freunde mehr. Liebe und Entschuldigung sind jetzt mit Leere befreundet.

Entschuldigung Liebe.

Liebe ist eine der meist inflationär gebrauchtesten Wörter gleich nach Entschuldigung. Es ist unsere Schuld, dass die beiden Wörter zu leeren bedeutungslosen Hüllen geworden sind. Liebe und Entschuldigung werden zu oft verwendet. Kann ich einen technischen Gegenstand wirklich lieben? Muss ich mich für jede Kleinigkeit entschuldigen? Die Häufigkeit der Verwendung eines Wortes heißt noch lange nicht, dass Liebe dann eine größere Bedeutung erfährt. Ganz im Gegenteil: Sie verlieren an Bedeutung! Und trotzdem finde ich, hat es Krassimir auf den Punkt gebracht.

„Liebe ist alles.

Liebe ist das Leben.“

Auch wenn wir sozusagen Opfer unserer selbst sind, wenn wir von Hormonen überschwemmt werden, kann man doch noch selbstbestimmt Maßnahmen setzen, um nachhaltig zu lieben. Meine Erfahrungen bisher über die gute alte Liebe.

Erfahrung #1 Liebe übersteht nicht alles!

Manchmal übersteht sie nicht mal den Sommer. An die erste Liebe soll man sich angeblich am besten erinnern: erster Kuss und erstes Mal „Ich liebe dich“ sagen. Leider übersteht Liebe, so stark sie auch sein mag, nicht alles. Wenn die geliebte zweite Hälfte am anderen Ende der Welt lebt oder der „Scheinpartner“ in Wirklichkeit ein Zweitleben mit Ehe und Kindern führt – dann kann die Liebe auch noch so stark sein, wird sie es nicht überstehen. Dann darf sie es auch nicht überstehen! Liebe darf einem nicht schaden. Jemanden zu lieben heißt, ihn auch zu respektieren. Frei nach Kant würde ich sagen: Füge niemanden Schaden zu, den du auch dir nicht zugefügt haben möchtest.

Erfahrung #2 Liebe ist kein Urlaub

So wie alles im Leben ist die Liebe auch kein einziger Urlaub. Liebe ist Arbeit. Wer sich denkt, er hätte den Partner jetzt endlich gefunden und müsse nichts mehr tun – der irrt. Wer sich mit dem oder der PartnerIn nicht weiterentwickelt, der verliert sie. Irgendeine blumige Romantikerin hat mal gesagt: „Die Liebe ist wie eine Blume (…) Doch wenn man sie vernachlässigt, nicht genügend Sorge zu ihr trägt und sie nicht pflegt, dann verwelkt und stirbt sie.“ In diesem abgedroschenen Zitat steckt auch Wahrheit. Für eine aussichtsreiche Partnerschaft benötigt es gemeinsame Hobbies oder ähnliche Leidenschaften. Des Weiteren bedeutet es den oder die PartnerIn nicht als selbstverständlich anzusehen.

Erfahrung #3 Liebe ist kein Egotrip

Liebe ist ein Kompromiss. Sofern man sich auf eine Partnerschaft einlassen will, muss man sich von seinen eigenen Egotrips verabschieden. Wie meine Großmutter immer zu sagen pflegte: „Damals haben wir an unserer Beziehung gearbeitet. Heute werfen die jungen Leute immer alles gleich weg.“ Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft – wortwörtlich auch in Angelegenheiten der Liebe. Empathie und Verständnis wären angesagt, aber um das zeigen zu können, müsste man sein eigenes Ego überwinden und auf den Partner eingehen. Das ist schwer – wenn nicht unfassbar schwer. Für manche fühlt es sich an wie persönlicher Hochverrat.

Vielleicht sollten wir uns überlegen, ob ein Trip durchs Leben mit zwei Egos nicht lebenswerter wäre.

 

 

 

 

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