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Freelancer Simon

Simon Engl

Über einen lebensfrohen und fröhlichen Freelancer, der seine Kreativität in vielen Bereichen auslebt und das mit Erfolg.

„Es hat keinen Notenständer für die Texte gegeben und auf dem Text wurde die Schriftgröße 7 verwendet.“

Erzähl von deinem Leben!

Momentan sieht es sehr rosig aus. Ich bin voll zufrieden. Das ist der erste Abschnitt in meinem Leben, wo ich mein Studium abgeschlossen und einen Job in meinem Bereich gefunden habe. Und trotzdem habe ich noch viel Freizeit. Den Job als Schneider beim ORF habe ich tageweise. Momentan fülle ich meine Freizeit mit viel Musikmachen aus: Saxophon üben, mit dem Looper spielen und etwas mit den Freunden von Jux und Tollerei weiterentwickeln. Ich bin aufgewachsen in einem 2100-Einwohner-Dorf in Südtirol im Ahrntal. Dort habe ich eine traumhafte Kindheit gehabt. Der Nachbar hatte Kühe und wir haben auf den Apfelbäumen gespielt. Ich war jetzt kein Musterschüler, aber war schon bei den besseren, obwohl ich mir keinen Haxen ausgerissen habe. Nach der Mittelschule wollte ich etwas mit Sprachen tun. Ein Freund hat das auch gemacht und ich habe mir gedacht: „Das kann nicht falsch sein“. Also habe ich dann ein Sprachen-Gymnasium gemacht. Bei dem Gymnasium war auch noch der Schwerpunkt Film und Multimedia dabei.

Wie ging es weiter?

Nach der Matura wollte ich von zuhause weg. Dann habe ich in St. Pölten an der FH „Medientechnik“ zu studieren begonnen. Das Thema Film hat mich einfach interessiert, aufgrund meiner Hobbys Snowboarden und Skaten. Die Zeit in St. Pölten war geil, weil ich im Studentenheim gleich Erasmus-Studenten kennengelernt habe. Und diese Zeit war fast wie ein Auslandsaufenthalt, weil ich viel auf Städtetrips mitgefahren bin. Im Winter 2012 habe ich dann Spanisch gelernt. Dann bin ich nach Wien gefahren und habe ein Praktikum bei der „Zone Media“ absolviert. Später habe ich den Master noch angehängt. Da habe ich dann eine chronische Sehnenscheidenentzündung bekommen. Das war ein einschneidendes Erlebnis, das hat mich auch dazu bewogen,  nichts mehr zu schneiden. Dann habe ich noch eine sehr teure Sprecherausbildung gemacht, in  der deutschen Pop-Akademie. Über die Ausbildung bin ich zufällig beim Vorglühen gestolpert, weil eine Broschüre herumlag. Ich bin einer,  der labert sehr viel und ich bin auch gern doof. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich vielleicht noch in die Schauspielerei gehen.

Was war dein prägendster Lebensabschnitt?

Mein prägendster Lebensabschnitt war St. Pölten, weil ich das erste Mal weit von zuhause entfernt war und ich nicht im Dialekt reden musste. Es war ein bisschen komisch, weil ich konnte in St. Pölten nicht Hochdeutsch reden, aber auch nicht Dialekt. Und mit den Erasmus- Kolleginnen,  Zeit zu verbringen, das hat mich als Person geprägt.

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Was machst du beruflich?

Mein Beruf ist jetzt Cutter und Sprecher. Die Rechnungen zahle ich über das Geld, das ich über das Schneiden verdiene. 2016 war ein super Jahr, da habe ich die Kosten des Sprecherkurses verdient. Ich fühle mich mehr als Sprecher. Es ist auch ein super relaxtes Gefühl, wenn ich weiß, dass über den einen Job Geld hereinkommt. Und der Sprecher-Job ist ein Zuckerl.

Was ist dein Lieblingsprojekt?

Es gibt Tage, wo das Schneiden nicht so viel Spaß macht, wie alle anderen Sachen. Bei manchen Projekten, wie Fernsehbeiträgen, habe ich oft ein gutes Gefühl und freue mich darüber. Aber eigentlich sind meine Lieblingsprojekte, die die mit Musik und mit Sprechen zu tun haben. Mein derzeitiges Projekt ist das Herumprobieren mit den ganzen Instrumenten, den Pocket Operators und das zukünftige „Performen“ mit dem Looper. Kurz gesagt: Musik machen. Ein Projekt, das mir sehr gut gefällt, war das Pole Dance Vienna Weihnachtsvideo. Das habe ich nämlich gemeinsam mit einem Studiumkollegen gedreht und geschnitten.

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Was fasziniert dich am Sprechen und Schneiden?

Es hat beides viel Schönes. Bleiben wir zuerst beim Schneiden. Das Schneiden hat etwas mit Timing zu tun. Auch jemand, der von der Theorie von Filmschnitt keine Ahnung hat, weiß, spürt es, wenn etwas nicht gut geschnitten ist. Auch interessant ist, wenn man sich bewusst wird, keinen Film, sondern den letzten Schnitt, die letzte Version anzuschauen. Schneiden hat auch etwas mit Träumen zu tun. Und man hat ja sogar herausgefunden, dass wir in Schnitten träumen. Es funktioniert einfach, wenn du Bild an Bild reihst und eine Geschichte entsteht.

Was das Sprechen betrifft: meine Eltern waren unlängst auf Besuch und meine Mutter hat mir erzählt dass ich damals, mit 2 Jahren ca. noch keine Haare am Kopf, aber das Maul immer weit offen hatte. Einmal, hat sie gesagt, bin ich im Restaurant auf der Bank gestanden und habe halb zu meinen Eltern, aber auch halb zum Rest der Gäste erzählt. Das Sprechen als Beruf fasziniert mich. Grundsätzlich liebe ich Sprachen. Aber erst seit 2013 hat mich Sprechen als Beruf interessiert. Und irgendwann hab ich gemerkt, ich will was damit machen.

Beschreibe bitte einen Sprecher-Job!

Der Text ist meist vorgegeben. Ich achte auch immer darauf, sofort klarzustellen, wie viel meine Dienste wert sind, da ich kein Dumping betreibe und mich an die Marktpreise halte. Nach Möglichkeit bekomme ich einen Tag davor den Text zugeschickt. Den formatiere ich dann in meiner üblichen Weise, Schriftardt Verdana, Schriftgröße 12-14pt. In der Branche ist es auch üblich, dass Sprecher kommen, den Text sprechen und dann wieder gehen. Das kann ich natürlich auch, aber ich bereite mich gerne auf den Job vor. Das Aufwärmen ist sehr wichtig für mich. Beim Aufwärmen lockere ich die Muskulatur und spreche mich ein. Ich nehme auch meine eigenen Kopfhörer mit, man kann besser mit gewohntem Equipment arbeiten. Manchmal ist der Kunde auch dabei.

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Gab es Projekte, die dir besonders in Erinnerung blieben?

Es hieß, dass ich in diesem und jenem Studio sein soll. Danach hat sich herausgestellt, das Studio war ein Wohnzimmer. Es hat keinen Notenständer für die Texte gegeben und auf dem Text wurde die Schriftgröße 7 verwendet. Und es waren noch Zahlen zu lesen. Die Auftraggeber wussten aber auch selbst, dass das Projekt doof war, aber wollten es dann auch einfach durchziehen. Bei einem anderen Projekt haben wir mit dem Kunden geskyped und es gab auch ein professionelles Umfeld. Aber nachdem wir dem Kunden die Aufnahmen geschickt hatten, wollte der eine andere Stimme.

Welche Auftraggeber hattest du bereits?

Eines Tages bin ich angerufen worden und gefragt worden,  ob ich einen Werbespot für die OMV sprechen möchte. Ein anderer Auftrag war von einer südtirolerischen Fliesenleger-Firma. Da habe ich den Satz: „Fleißige Fliesenleger fliesen mein Bad mit Fliesen von Innerhofer. Zu fließend?“ gesprochen.

Hast du Hobbies?

Mein längstes Hobby ist das Skateboardfahren. Seit zehn Jahren skate ich. In letzter Zeit Musikmachen. Im Sommer Slacklinen, Frisbee spielen, Fahrradfahren, Schwimmen, Basketball, Fußball. Aber für USI-Kurse bin ich zu verplant. Ich koche und gehe auch gerne fort.

Wie würde dein persönliches Utopia aussehen?

Ich glaube, wenn Menschen nicht andauernd nach Glück streben würden, sondern nach Zufriedenheit, dann wäre das mein Utopia. Ich hab Freunde, genug Kohle und eine Arbeit, die ich wahrscheinlich nicht so schnell verlieren werde, also kann ich sagen ich bin zufrieden. Ich glaube, dass Utopia auch damit zusammenhängt, dass man viel mit anderen Menschen redet. Ich habe Tage, da habe ich am Ende des Tages mit fünf Leuten gesprochen, die ich vorher nicht kannte. Ich glaube, man müsste sich fragen, was man überhaupt zum Leben brauche. Denn man braucht eigentlich nicht viel. Zu meinem Utopia gehört auch Arbeit. Man muss halt was tun. Nach dem Studium hatte ich viel Freizeit und da hat man viel zu viel Zeit mit sich selber.

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Wie würde dich dein bester Freundin beschreiben?

Mein bester Freund würde sagen: „Cooler Typ! Lustig, sozial, offen, aber auch verplant und vielleicht auch ein wenig hyperaktiv.“

Wenn du dein Leben nochmal leben könntest, würdest du etwas anders machen?

Ich würde gerne alleine einmal eine lange Reise gemacht haben. Das muss ich jetzt noch machen, aber darauf freue ich mich schon. Ich bin jetzt ein bisschen gechillter, das wäre ich auch gerne schon früher gewesen. Ich hätte gerne zweimal Erasmus gemacht.

Was bedeutet für dich Kreativität?

Kreativität ist geil, weil es Sachen verbindet, die nicht so gedacht waren, dass man sie so verbindet. Kreativität kann man durch das Machen lernen und durch viele Inputs, wie andere Menschen kennen lernen, um andere Ansätze kennen zu lernen.

Was war dein bewegendster Moment in deinem Leben?

Mein bewegendster Moment in meinem Leben war es, den Ollie (Skateboard Trick) zu lernen.

Was bedeutet Authentizität für dich?

Helge Schneider halte ich für ein Paradebeispiel für Authentizität, weil er einen Beruf macht, den er selber erfunden hat. Authentizität ist eine gute Eigenschaft und ich mag ehrliche und authentische Menschen. Authentizität ist für mich, wenn du deine eigenen Bräuche, Schimpfwörter oder was auch immer hast und wie du dann mit neuen Bekanntschaften damit umgehst.

Du bist ja eigentlich von den Bergen, fehlt dir das in der Großstadt?

Naja, die Berge und die frische Luft. Ich spaziere in fünf Minuten in den botanischen Garten und dann habe ich auch frische Luft, aber es ist nicht vergleichbar. Ich mag natürlich die nicht so hohe Luftverschmutzung und das Wandern fehlt mir auch.

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Hast du einen Lieblingsort in Wien?

Ich habe mein Zimmer ungelogen etwa 50-Mal schon umgestellt und so halte ich es auch mit meinen Lieblingsplätzen in Wien. Beim Belvedere gibt es einen schönen Zugang. Dort gibt es eine Bank und da halte ich mich gerne auf. Oder die Jesuiten-Wiese ist auch sehr schön.

Mehr über Simon gibts auf:  www.englsimon.com

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