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Freeman Joe

Joe Kreissl

Über einen Freigeist und Systemgegner, der im Schloss Walchen lebt und sich vom Staat Österreich losgesagt hat.

Erzähl bitte über dein Leben!

Ich hab eine super Kindheit in Machtrenk gehabt. Ich war da bei meinen Großeltern, die haben eine Schwimmbadfirma gehabt. Eh eine lässige Kindheit wie jeder von uns. Jeder hat mit seinen Freunden im Garten gespielt und Pfeil und Bogen gebastelt. Ich bin in Wels in die Schule gegangen und mit meiner Freundin dann auch nach Wels gezogen. Wie halt jeder tut, da war nichts besonderes. Ich habe Familie, drei Kinder, hatte ein Haus und ein Tonstudio. Während ich das Tonstudio betrieben habe als Firma, merkst du dann doch, dass das Leben eine gewisse Ernsthaftigkeit hat. Dann werden immer wieder mal gewisse Sachen von dir gefordert, die du dir leisten kannst, wenn es dir gut, aber wenn es dir nicht gut geht, hinterfragst du es: Warum muss ich das zahlen? Weil ich würde das gern selber haben, aber jetzt muss ich es zahlen. Und je mehr da an Forderungen kommen, beginnt man das System zu hinterfragen. Wieso ist das so? Es müsste ja nicht so sein. Und dann bin ich irgendwann über die Freeman-Bewegung gestolpert. Und habe mir gedacht: „Moment, der Typ schreibt einen Brief an die Regierung seines Landes,  dass er das nicht mehr mitmache. Und wenn das irgendwo auf der Welt geht, dann geht das überall.

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Was ist die Freeman-Bewegung?

Die Engländer haben die Magna Carter im Hintergrund und wir das bürgerliche Gesetzbuch. Aber irgendwo gibt es eventuell eine gemeinsame Verbindung. Und ich bin immer weiter runter gegangen – das ist mein Skorpionprinzip – immer weiter in die Tiefe zu gehen. Und bin dann beim heiligen Stuhl gelandet. Die Reise dazwischen war sehr aufregend, weil sie schon lange keiner mehr gegangen ist. Ich hab dann eben diesen Brief an die Regierung geschrieben, die sogenannte Freeman Erklärung, wo ich mich sinngemäß von meiner juristischen Fiktion distanziere. Ich habe einmal erkannt, dass der Mensch als Mensch da ist, aber nicht in seiner wesentlichen Rolle, sondern seiner juristischen Rolle, die heißt als natürliche Person. Aber das ist nur ein Angebot. Das Rechtsystem kennt ein zweites Angebot, das heißt als juristische Person, da kann ich eine Firma gründen, da bin ich nicht mehr eine natürlich Person. Es gibt aber noch eine dritte Möglichkeit. In der Definition der Menschenwürde steht, dass der Mensch in einer Rolle als geistlich sittliches Wesen ist. Als Person ist er einer Norm unterworfen, aber in seinem Wesen kann er das gar nicht sein. Der Mensch muss von Haus aus mal gar nichts. Der Mensch ist alles. In dieser Welt ist alles verboten. Im römischen Recht ist alles verboten, außer man erlaubt es dir. Da brauchst du eine Lizenz. Und das Planet-Erde-Prinzip Gaia, das ist ein Wesen, da darfst du alles tun, außer du machst es nicht. Es gibt keine Schnittmenge. Du musst dich wirklich entscheiden. Du bist das Kreuz. Du bist die Kreuzung. Links oder rechts? Engel-oder Teufel-Prinzip. Hell oder dunkel? Herz oder Hirn? Unser Hirn ist geimpft mit allen möglichen Giften. Gift ist ja ein Geschenk. Und es funktioniert – jeder ist glücklich in dem System. Aber auf Kosten von einem Wesen, mit dem er sein Unwesen treibt damit. Wir sollten aber sehen, dass wir das Miteinander pflegen und nicht das Aufeinander. Und ich mache nicht mehr mit und das ist der aktive Widerstand.

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Glaubst du kann jeder den Ausstieg wählen?

Ja natürlich. Braucht jeder nur sagen: Ich mache nicht mehr mit.

Wäre die Freeman-Bewegung ein vollkommen neues System?

Wir wissen es nicht. Das System wird auf jeden Fall nicht von uns sein, weil wir den gemeinsamen Zusammenhalt einmal loslassen müssen. Da wird jeder sich selbst überlassen sein. Das beste Beispiel ist der Kirschbaum. Wir reden gerade als Kirschen, hängen gerade auf unseren Sicherheitsleinen, mit dem Kirschbaum verbunden und sagen: „Hey Kirschen, ist es nicht geil eine Kirsche zu sein? Die Sonne scheint runter, der Baum versorgt uns, Halleluja.“ Da sagt aber eine: „Warte mal, du hast etwas vergessen, jetzt nennst du dich eine Kirsche, aber kennst du deine Bestimmung? Du bist ja keine Kirsche. Eine Kirsche ist ein Zwischenstadium, du musst dich fallen lassen. Du musst ganz unten ankommen, aber du wirst keine Kirsche bleiben. Du wirst ein Bam-Oida. Wir müssen uns nur in die Hände Gottes fallen lassen. Wir brauchen nur lange genug am Boden zu liegen, dann werden irgendwann Wurzeln aus uns wachsen.“ Was brauchen wir für ein neues System? Kirschen brauchen höchstens ein Einkaufssackerl. Die Kirschen hängen einfach am Baum. Die Seele hängt am Baum. Sie haben Angst, sich fallen zu lassen.

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Also wenn dem so wäre, dann würde es auch keine Gewalt geben?

Genau. Du kennst doch das Bild vom Wendel oder wer das gemalt hat. Das Paradies auf Erden. Das ist es. Wenn wir aufhören zum Hinbeißen, dann werden alle anderen aufhören, gemein zu sein. Das klassische Dog-Eat-Dog-Prinzip.

Was war dein prägendster Moment in deinem Leben?

Das war der Moment, wo ich mit der Wahrheit konfrontiert worden bin, wo ich selber nicht ehrlich war. Da habe ich Situationen bekommen in meinem Leben, die haben mich zu den absoluten Wende- und Scheitelpunkten gebracht. Beispielsweise habe ich drei Jahre meine Frau betrogen mit einer Freundin. Und das war richtig lässig: Verheiratet, Kinder und daneben ein Beiwagerl. Bis die (das Beiwagerl) sagt, ich brauch dich mehr und dann musst du dich entscheiden: Familie oder Freundin. Und ich habe mich für die Familie entschieden und sie hat sich jemand anderes gesucht. Das hat mich in ein tiefes Loch fallen lassen. Es war so schön alles, aber auf Lüge aufgebaut. Das hat mich dazu bewogen, ohne Strom und Wasser auf einen Berg für zwei Wochen zu gehen. Ich habe ein paar gute Bücher gelesen und da hat es mich das erste Mal umgedreht. Und seit acht oder neun Jahren dreht es mich so lange hin und her, dass ich so aufrecht bin, wie ich jetzt dastehe. Aber es geht nur im Wasser. Wasser kann alles aufstellen. Du musst viel weinen, nachdenken und reflektieren.

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Was bedeutet für dich Wahrheit?

Der Empfang deiner Sinne, die Einstellung von deinem Fernseher. Das ist Wahrheit. Wenn du schwanger bist, hast du eine ganz andere Wahrheit, als wenn du nicht schwanger bist, also kannst du auch im Wesen eine ganz andere Wahrheit erzeugen. Wenn du Durchfall hast, hast du eine ganz andere Wahrheit, als wenn du keinen hast. Also gibt es in dir verschiedene Wahrheiten. Es ist einfach die Einschaltung deiner Sinne. „Wahr“ und „heit“ das ist dein Atem. Es ist dein Austausch mit der Außenwelt. Und es sind alle Wörter, die mit heit enden, wie Schönheit, Geilheit, Klugheit, Weisheit, Lockerheit und Wahrheit, so ein Prinzip, das du atmest. Das gehört ganz dir alleine. Bei der Endung Heit ist der Salamon verpackt. Es gibt aber auch eine gemeinsame Wahrheit auch oben drüber. Unsere gemeinsame Wahrheit, dass hier ein Gras wächst. Das ist für uns alle dieselbe Wahrheit. Das ist die übergeordnete Wahrheit.

Bist du gläubig?

Das ist immer schwierig zum Sagen. Meine Gegenfrage im Kopf ist dann immer, was meint er damit? Als Klang muss ich sagen, bin ich im Modus Glaube, aber nicht, dass man glaubt, dass ich glaube, was mir jemand erzählt hätte. Ich glaube gar nichts, was nicht von mir selbst kommt. Es entsteht in mir. Es fällt runter wie göttliches Laub. Wie ein großes göttliches Laub sickert es in mich. Ich habe das Prinzip Freeman in mir. Das bedeutet: Frag ruhig einmal mehr als normal. Also wenn du mir etwas erzählst, dann glaube ich es prinzipiell mal nicht, aber ich denke mir: Kann das stimmen? Kann das stimmen, was er mir erzählt? Passt es zu meinem Weltbild? Sieht er das nicht oder sehe ich etwas nicht? Ich bin derzeit soweit, dass ich, wenn ich etwas im Fernseher sehe, hinterfrage: Was sehe ich da? Aber alles, was ich im Fernsehen sehe, dass sagt mein Herz zu mir. Aber mein Herz ist mit euren im kollektivem Herzen gefangen. Und ich muss rausfiltern, wer spricht da? Spricht da mein oder das kollektive Herz?

Hast du eine Lösung für Menschen wie beispielsweise in Afrika, wo es kaum die Möglichkeit gibt, einfach auszusteigen?

Das ist jetzt ein ganz ein schräger Lösungsansatz, den ich hier erzähle, denn ich bin nicht aus Afrika. Afrika ist außen. Aber wenn außen Afrika ist, dann ist die Frage, wo in mir ist Afrika? Sonst gäbe es ja im Außen nicht. Und es ist das Bewusstsein, das am Anfang leidet. Die Wiege der Menschheit ist in Afrika. Das heißt dort geht alles los. Und wenn wir merken aufgrund des System geht es ihnen schlecht. Das System ist überall dasselbe. Für das System ist der Mensch immer nur einer mehr. Wir könnten leicht den Versorgungsausgleich schaffen, nicht den Zahlungsausgleich.

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Sollte man deiner Meinung nach in die Selbstversorgung gehen?

Selbstentsorgung. Weg mit den Sorgen vom Selbst. Selbst hat keine Sorgen, lass dich auskirschen. Lass dich fallen. Mach dir keine Sorgen. Es kann beim Landen richtig weh tun. Es hat noch keiner von uns erzählt, wie es weiter gegangen ist. Wir brauchen keine Sicherheit im Leben. Der Vogel weiß nicht wie fliegen geht, er macht es einfach. Er braucht niemals arbeiten gehen dafür. Der Planet Erde kennt keine Arbeit. Arbeit. Fass. Fass. Der Hund in uns Menschen ist es. So ein Hundling! Und es ist unser Hund. Was heißt God auf Spiegel? Dog. Ist doch witzig oder? In Ägypten war der Hund auch sehr wichtig.

Wie sieht dein persönliches Utopia aus?

Wir sind alle so verkorkste Wesen. Meine Tochter hat einmal auf die Frage „Was ist Glück?“ geantwortet: „Glück wäre für mich, dass jeder zufrieden ist.“ Da habe ich viel von meiner Tochter gelernt.

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Wie kann man sich deinen Tagesablauf vorstellen?

Ich werde in der Früh durch eine Kraft eingeschalten, die ich nicht kenne und nicht in der Hand habe, aber wahrnehme. Ich kann nicht sagen, wann ich aufwache. Dann steht bei meinen Bett ein Schild mit der Aufrschrift: „Wake up and be awesome!“ Das gefällt mir einfach. Awesome sein. Da bin ich da, geh duschen und poste etwas auf Facebook. Am Vormittag bin ich oftmals sehr kreativ. Dann gehe ich mal raus. Ich plan das oft gar nicht. Gestern war ich in Wien schnell, dann bin ich in der Nacht noch in Mariazell gewesen. Hab schnell die Maria besucht in ihrer Zelle und hab gesagt: „Maria halt durch, wir holen dich hier raus.“ Und weißt du, wer mich heute in der Früh besuchen gekommen ist? Die Maria, die ich seit der Früh noch nicht gekannt habe. (Maria war in unserer Gesprächsrunde zugegen)

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Wie nennst du den Platz, also das Schloss?

Für mich ist es „Erlöstereich“. Das kommt vom Erlöser. Ich bin der Erlöser, habe ich für mich entschieden. Die Frage ist nur, was stellst du dir darunter vor? Die Erlösung betrifft nur mich. Wenn ich es mit dir machen würde, dann müsste es Belösung heißen. Dann würde ich dich ja belösen. Jedes Wort das mit „er“ beginnt, bedeutet, dass es dich selbst betrifft. Wenn du etwas erfindest, dann bist du der Schöpfer.

Wie würde dich dein bester Freund beschreiben?

Der Joe, wenn der gekommen ist, dann ist es nachher ein bisschen heller gewesen. Der hellt den Raum auf. Ansonsten hat er nicht oft viel gesagt, ansonsten hat er immer viel zu viel gesagt. Zu mir hat einmal wer gesagt, man soll in die Alpen gehen und am letzten Abend die eigene Grabrede schreiben, aber nicht als Abschiedsrede, sondern als Lobgesang deiner selbst. Dann schaust du mal was da drin steht, gehst dich schämen und änderst dein Leben. Bei mir könnte stehen: „Er war einen coole Sau. Am Anfang war er recht deppert, aber am Schluss hat er sich geändert.“

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Gibt es einen Sinn des Lebens für dich?

Nein. Das Leben lebt sich selbst. Das Leben nach dem Tod wäre sinnlos, weil da haben wir keine Sinne mehr. Wenn ich nicht sinnlos sein will, dann sollte ich nicht meinen Körper verlieren. Denn der Körper ist die Sinne. Was ist für dich ein Messer? Das ist dieselbe Frage, wenn ich dich frage, was ist für dich der Sinn des Lebens. Ein Messer ist Werkzeug. Der Sinn des Lebens ist ein Werkzeug. Was machst du aus deinem Sinn? Schneidest du die Rose für deine Freundin ab oder stichst du die Nachbarn ab? Dem Messer ist das egal.

Hast du Kritiker und warum?

Ja es gibt Menschen, die fürchten sich. Sie sehen indem, was von mir kommt, nämlich die totale Freiheit, die eigene Angst widergespiegelt, dass es vielleicht so ist, dass die Wahrheit absolut ist.  Je mehr sie in der Lüge leben, umso mehr werden sie sich von der Wahrheit fürchten.

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Was hältst du von Roland Düringer?

Sehr viel. Ich liebe ihn dafür, dass er so witzig ist. Der ist so ein Trottel, der sich für nichts zu deppert ist. Da erkenne ich in ihm den Bruder. Ich fühle mich genauso. Wir hätten gemeinsam schon richtig lässige Filme spielen können. Ich habe auch mein Tonstudio aufgegeben und er hat auch etwas in seiner Karriere geändert. Was er noch teilweise macht ist, dass er sich zum Instrument von Unterhaltung macht, obwohl er den Inhalt bringt.

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