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Geisterjäger Wilhelm

Wilhelm Gabler

Über einen einfühlsamen Geisterjäger, der paranormale Aktivitäten untersucht und auch Spuk-Schauplätze in der ganzen Welt erforscht.

„Wir haben leider auch oft den Fall, dass wir zu einer angeblichen Besessenheit gerufen werden. Das heißt, wir haben ein Kind, das besessen ist, in einer Fremdsprache und in einer Tonlage spricht, die nicht normal ist.“

Erzähl von deinem Leben!

Ich war kein Standardkind, wie man sich das wünschen würde. Ich hatte schon immer Ambitionen, mich mit Unerklärbarem und Geistern zu beschäftigen. Ich war derjenige, der bei einem Alptraum schweißgebadet aufgewacht ist, sich besonnen hat und gesagt hat: „Jetzt möchte ich an dieser Stelle weiter träumen.“ Ich habe auch immer wieder einen imaginären Freund gehabt, aber nicht so wie alle Kinder. Es war kein unsichtbarer Freund zum Spielen, sondern ein Geist von einem Verstorbernen, den ich noch nicht gekannt habe. Ich habe mich  1998 im ersten deutschen Forum über Spuk registriert. Es war immer sehr theoretisch und mir war das zu wenig. Dann habe ich zu den Administratoren gesagt: „Ich werde euer Forum pushen und gehe live auf Geisterjagd.“  So habe ich mir mein Pendel geschnappt und bin auf den Friedhof der Namenlosen gefahren. Dort habe ich meine ersten Erlebnisse gehabt und mein erstes Geisterfoto veröffentlicht. Nach dieser Aktion wollten immer mehr Leute mit mir mitgehen. So ist die erste Gruppe entstanden. Nach Meinungsverschiedenheiten bin ich aus dem Forum gegangen und habe mein eigenes gegründet. 2001 haben wir dann den Verein gegründet. Mit dieser Gründung habe ich meine Fragestellung von „Wo spukt es?“ zu „Warum nehmen wir Spuk überhaupt wahr?“ geändert. Mit dieser Änderung wurde ich auch immer technischer. Mittlerweile sind wir soweit, dass wir Parapsychologen weltweit aufklären und mit Ihnen zusammen arbeiten. Was immer auf der Strecke gegblieben ist, ist das Privatleben.

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(c) Wilhelm Gabler

Was war dein prägendster Lebensabschnitt? 

So blöd, wie das auch klingen mag, aber mein prägendster Lebensabschnitt war die Idee, Geistesjäger zu werden. Das hat mein Leben von Grundauf geändert und das hat mich zu dem gemacht, was ich jetzt bin.

Was war dein bewegendster Moment in deinem Leben?

Das war leider ein negativer, nämlich als die Mutter meines Sohnes verstorben ist. Das hat mich selbst bis heute sehr geprägt und soweit verändert, dass ich dann alleinerziehend war und die ganze Verantwortung hatte.

Was bedeutet für dich Angst?

Ich selber habe eigentlich keine Angst mehr, vor gar nichts mehr.  Zu Beginn hatte ich natürlich Angst, aber ich hatte auch beruflich immer wieder mit gewissen Situationen zu tun. Ich war im Sicherheitsdienst und habe da meine Ängste abgelegt. Ich habe auch immer leer stehende Gebäude kontrolliert. Wenn der Besuch von leer stehenden Gebäuden vorbei war, dann habe ich einen Adrenalinschub erhalten, der einen Suchtfaktor mit sich trägt.

Wie gehst du mit den Menschen um, die dein Hobby ins Lächerliche ziehen wollen?

Ich argumentiere gar nicht mehr. Aber ich lade Skeptiker gerne ein mitzukommen und zeige ihnen Vorkommnisse, die einfach nicht erklärbar sind. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich selber Glaubensdifferenzen habe. Ich glaube ich bin der größte Skeptiker meiner Tätigkeit. Das bringt mich aber vorwärts und lässt mich einfach weiterforschen.

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(c) Wilhelm Gabler

Was macht der Verein Ghosthunters?

In erster Linie befassen wir uns mit der Aufklärung des Paranormalen. Wir versuchen, alle paranormalen Ereignisse auf wissenschaftlicher Ebene aufzuarbeiten, indem wir entweder bestätigen oder auch widerlegen. Wir versuchen aber auch, Menschen zu helfen, die psychisch oder irdischer Probleme haben.

Wie kann man sich einen typischen Ghosthunter-Tag vorstellen?

Meine Tage sind generell sehr unterschiedlich. Das erste in der Früh ist ein Kaffee, dann wird der Laptop hochgefahren und die Mails werden gechecked. Es kommen am Tag ungefähr 40 Mails rein, die nur dieses Thema behandeln. Dann kontrolliere ich Facebook und mein Forum, ob es irgendetwas zu beantworten oder zu managen gibt. Nach der Arbeit unterhalte ich mich mit meinem Sohn und frage ihn, wie es in der Schule war. Wenn mein Junior dann im Bett ist, beschäftige ich mich mit Material-Anaylsen, Auswertungen und der Homepage. Mein ganzes Leben ist nur noch auf das Geisterjagen ausgelegt. Das ist absolut gestört.

Kannst du ein Beispiel von deiner Tätigkeit geben?

Da gibt es vieles. Beispielsweise war eine Anfrage: „Ich wohne jetzt seit Jahren in meiner Wohnung und fühle mich einfach nicht mehr wohl. In der Nacht habe ich Angst und habe kalte Schauer, obwohl die Fenster geschlossen sind. Bitte helft mir!“ Ein weiteres Beispiel wäre das plötzliche Durchdrehen einer Katze. Zu Weihnachten kontaktieren uns oft Menschen, die alleine sind und nur eine Ansprechperson brauchen. Es hat sich auch sehr schnell herumgesprochen, dass unser Angebot kostenlos ist.

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(c) Wilhelm Gabler

Nehmen wir das Beispiel mit der Katze, welche Schritte unternimmst du dann?

Wir haben eine komplette Liste. Anhand dieser Liste beobachten wir den Boden, die Heizbeschaffenheit und wenn das Formular komplett durchgegangen ist, haben wir meistens auch schon einen Grund, warum sich Tiere unwohl fühlen. Das kann beispielsweise durch defekte Stromleitungen kommen. Tiere sind sehr feinfühlig. Bei einer defekten Stromleitung entstehen Infra-Töne, die uns Menschen auch sehr belasten können. Wir haben geeichte Messgeräte. Und wir sind mittlerweile auch Schuld daran, dass Leute auf Kosten der Gemeinde umziehen. Wenn wir nachweisen können, dass bauliche Probleme wie Schimmel oder erhöhter Elektrosmog bestehen.

Wie sieht deine tägliche Arbeit mit Klienten aus?

Wir haben leider auch oft den Fall, dass wir zu einer angeblichen Besessenheit gerufen werden. Das heißt, wir haben ein Kind, das besessen ist, in einer Fremdsprache spricht und in einer Tonlage spricht, die nicht normal ist. Das sind multiple Persönlichkeitsstörungen oder Verhaltensweisen nach Missbräuchen. Wir werden oft zu alten Menschen gerufen, die einsam sind.  In Wirklichkeit gehen wir dann zu diesen Menschen und reden mit ihnen. Wir versuchen dann, dass wir diese Menschen in Pensionistengruppen hinein bekommen. Die andere Seite von uns ist die Geistersuche. Das machen wir aber nicht mit Klienten, sondern privat. Wir fahren zu Spuk prädestinierten Orten und versuchen dort das Paranormale zu beweisen. Das machen wir entweder auf Film, Ton oder Foto.

Was sind Geister?

Geister sind energetische Formen. Wenn Energie verbraucht wird, macht sie sich messbar, es ist nämlich elektromagnetische Energie. Man kann das gut damit vergleichen, wenn es einem nicht gut geht oder man depressiv ist, dann fängt plötzlich das Licht an zu flackern oder die Radiosender spielen verrückt, Das lösen wir Menschen mit unseren elektromagnetischen Reizen aus. Die Nervenimpulse kann man auch so konzentrieren, dass man Tischtennisbälle gedanklich bewegen kann. Das ist dann das Psi. Wenn ein Mensch stirbt, entsteht eine Energie und das ist messbar. Es kann auch passieren, wenn wir einen Spuk messen, dass unsere Geräte ausfallen, unsere Speicherkarten defekt und formatiert sind.

Wie erklärst du dir Spuk?

Wir haben einen naturwissenschaftlichen, psychologischen, esoterischen und parapsychologischen Zugang beim Identifizieren von Geistern. Es ist auch so, dass 98% aller Spuk-Ereignisse, die wir zu verzeichnen haben, auf wissenschaftlicher Ebene erklärbar sind und bei den restlichen 2% sagen wir auch nicht, das ist jetzt paranormal, sondern dass es für uns derzeit nicht erklärbar ist.

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(c) Wilhelm Gabler

Wenn es derzeit nicht erklärbar ist, suchst du dann weiter?

Wenn es möglich ist, schon, aber es ist so, dass der Spuk auf uns auch nicht wartet. Wir müssen dann Kameras montieren und hoffen, dass wir Material bekommen. Man muss teilweise bis zu 200-mal zu einem Ort, um etwas zu sehen. Aus diesem Grund wird man auf unserer Homepage nicht viele Geisterbilder finden. Von den letzten 16 Jahren sind etwa hundert Bilder entstanden. Interessant sind Tonaufnahmen. Über Tonaufnahmen erfahren wir Dinge, die wir gar nicht wissen können, aber im Nachhinein als korrekt bestätigen. Vor 3-4 Jahren waren wir in einem verlassenen Sanatorium, wo sehr viel Schindluder getrieben wurde, wie zum Beispiel Medikamententests an Kindern. Dort haben wir Tonaufnahmen gemacht und unter anderem gefragt „Wer bist du?“ und haben erfahren, dass ein Mädchens in dieser Anstalt gestorben ist und unter dem Schwimmbad begraben wurde. Dieser Skandal wurde ein paar Jahre danach aufgedeckt. Es wurden unter dem Schwimmbad Leichen entdeckt. Ich habe auch gefragt, womit das Kind am liebsten gespielt hat und habe als Antwort bekommen, dass es ein rotes Bobby-Car war. Und mein Kollege hat darauf gefragt, wo das Bobby Car ist und uns wurde als Antwort das Schwimmbad angegeben. Wir haben das kontrolliert und haben dieses Car beim Schwimmbad gefunden.

Auf der anderen Seite versuchen wir auch zu zeigen, dass viele Tonaufnahmen aus der eigenen Psyche stammen. Das heißt Tonalisieren der eigenen Gedanken. Diesbezüglich machen wir auch Tests mit der Universität Wien.

Wo gibt es Spukorte in Wien?

Generell sind der 1. und 2. Bezirk sehr mystische und morbide Orte, dort wo die Pest tobte. Dort, wo etwas Schreckliches passiert ist. An diesen Plätzen nehmen Leute verstärkt Spuk wahr. Ich denke aber, wenn es wo spukt, dann kann das überall sein. Meinem Gefühl nach, wenn ich sterbe und meinen Kindern etwas schuldig bleibe, dann verharre ich nicht dort, wo ich sterbe, sondern da, wo ich mich wohlgefühlt habe. Wir sind der Meinung, dass es auf Friedhöfen gar nicht spukt, sondern eher wo anders. Auch die Hofburg ist ein ganz interessanter Ort, weil sie mit den Habsburger-Spuk in Verbindung gebracht wird. So soll auch die Sissi in der Hofburg spuken. Dann gibt es auch das Katzensteighaus. Dort haben wir Kameraaufnahmen, wo sich Steine selbst bewegt haben. Kein Bewohner ist dort länger als 6 Monate geblieben. Wir haben im Endeffekt festgestellt, dass dort alte Kupferverkabelungen waren, die so ein starkes Elektromagnetfeld verursacht haben, dass die Bewohner durchgedreht sind. Und die Steine waren quarzhaltig und somit magnetisch. Das war der Grund, warum sich die Steine bewegt haben.

Bist du gläubig?

Konfessionell nicht, nein. Ich bin weder gläubig noch politisch. Mich interessieren diese Thematiken sehr wenig. Ich interessiere mich generell für Religion und die Hintergründe, aber ich habe keine Götzenfigur, die ich jeden Tag anbeten würde.

Glaubst du an das Leben nach dem Tod?

Ja, das schon, aber das hat nichts mit den Konfessionen zu tun. Eben aus erster Hand weiß ich das. Immer, wenn mein Sohn weinend im Zimmer gesessen ist und ich nicht hinein durfte, ist er später zu mir gekommen und hat gesagt: „Papa, mir gehts jetzt wieder gut. Die Mama war gerade da“. Diese Erfahrung hat mir das Leben nach dem Tod bestätigt. Ich hab diesbezüglich nie Untersuchungen gemacht oder nachgeforscht. Es ist bis heute ein absolutes Tabu-Thema.

(c) Wilhelm Gabler

(c) Wilhelm Gabler

Gibt es in deinen Augen das Böse?

Nein. In dieser Form nicht. Ich vergleiche das aber auch gerne mit lebenden Personen. Es gibt Menschen, die sind geistig ein bisschen abstrus. Es gibt Menschen, die haben heute einen schlechten Tag und werden als böse betitelt und morgen sind sie wieder happy und werden als gut betitelt. Und so gibt es auch Geister, die haben einmal einen guten und einen schlechten Tag.

Glaubst du an Besessenheit oder Dämonen?

Daran glaube ich absolut nicht. Wir sind auch schon oft zu „most haunted places on earth“ gefahren. Beispielsweise waren wir in Poveglia Island. Dort waren die Ghost Adventures, ein Show-Team von einer TV Serie, wo beispielsweise Besessenheit vorkam. Das ist eine Lazarett-Insel, wo von Italien alle Pest kranken Menschen hingeschickt wurden. Wir waren für 22h dort und haben schon etwas bemerkt, aber keine angsteinflössenden Momente erlebt. Vor zwei Jahren waren wir in Edinburgh. Dort gibt es die Sage, dass die Enny herumspukt. Ein kleines Mädchen, das in einer Pest-Stadt vergessen wurde. Wir waren dort und haben Kinect Kameras aufgestellt. Und wir haben anhand der Aufnahmen ein kleines Mädchen gesehen, das mich gezupft hat. Das war für mich ein berührendes Erlebnis.

Wie würde dich dein bester Freund beschreiben?

Absolut durchgeknallt und irrsinnig kompetent. Es bewundert mich jeder aus meinem Freundeskreis was ich mache. Es gibt aber natürlich immer viele Leute, die mich belächeln, aber ich zeige ihnen auch gerne meine Tätigkeit.

Was bedeutet für dich Esoterik?

Ich habe mit Esoterik begonnen und war auch stark in der esoterischen Schiene drinnen, aber durch mein Umdenken und mein technisches Interesse ist sie zurückgeblieben. Ich durchleuchte  auch esoterische Themen. Ich bin ein Skeptiker der Esoterik geworden. Ich bin auf Esoterik-Messen nicht mehr gern gesehen, weil ich viel Scharlatane aufdecke.

Verzeichnest du mehr Aktivitäten zu Halloween?

Halloween ist auf jeden Fall etwas von Menschen Gemachtes und wird in Wien noch gar nicht so lange zelebriert. Das ist für Geschäftsleute eine Möglichkeit, Geld einzunehmen. Gerade der 31. Oktober ist ein Tag, an dem ich zuhause bleibe und keinen Friedhof oder andere Orte besuche, weil die sowieso überrannt sind. Und von den Aktivitäten ist keine Steigerung zu merken.

Wann bekommst du die meisten Anfragen?

Die meisten Einsätze finden zwischen Herbst und Frühling statt. Die Winterdepressionen kommen zu diesem Zeitpunkt. Das Lichtspektrum ändert sich und das UV nimmt ab, somit kann der Mensch kein Vitamin D3 verarbeiten und ist dauermüde. Da steckt sehr viel Psychologie dahinter.

Bei einem Vortrag. (c) Wilhelm Gabler

Bei einem Vortrag.
(c) Wilhelm Gabler

Was bedeutet für dich Wahrheit?

Ich kann das so gar nicht definieren. Wenn mir Klienten unglaubwürdige Geschichten erzählen, dann ist das für diese die Wahrheit und ich muss das auch ernst nehmen. Für mich ist die Wahrheit gegeben, wenn ich es belegen oder widerlegen kann. Es müssen Dinge sein, die für mich handfest belegbar sind.

Was sind paranormale Ereignisse?

Paranormale Ereignisse sind unerklärbare Ereignisse. Wenn beispielsweise hier ein Bild runterfliegen würde, dann würden vielleicht 30% der Anwesenden sagen, dass das eine paranormale Aktivität sei. Dann würde ich kommen und sagen, der Nagel war locker und draußen ist ein LKW vorbeigefahren. Und schon ist es nicht mehr paranormal. Das ist eine Interpretationssache.

Weitere Informationen gibt es unter: http://www.viennaghosthunters.net

3 Kommentare

  1. Toller Einblick in eine Arbeit, die die meisten von uns nur aus Sendungen im Fernsehen kennen. Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde, als wir ahnen, da bin ich sicher und finde es gut, wenn es Menschen gibt, die versuchen solche Dinge aufzuspüren und (wenn nötig) auch ernst zu nehmen.

    Liebe Grüße
    Sandra

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