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Häuslbauer Michael

Michael Rausch

Über einen lebensfrohen Physiklehrer, der sich seinen Traum erfüllt: ein Strohballenhaus.

Erzähl von deinem Leben!

Ich bin jetzt 43 Jahre alt, da gibt es viel zu erzählen! Als Schüler war ich sehr schlecht und bin zweimal sitzen geblieben. Mit 14 Jahren habe ich mir gedacht: „Ich werde alles, nur nie Lehrer!“. Jetzt bin ich es. Aufgrund meiner damaligen Freundin habe ich diesen Weg eingeschlagen.  Nach dem Studium habe ich festgestellt, dass ich doch nicht Lehrer werden möchte. Ich habe dann eine zweijährige Reise gemacht und danach war ich drei Jahre lang „Wwoofen“.

(Wwoofen ist ein Austauschprogramm. Für die Mithilfe an einem Bio-Bauernhof wird kostenlose Kost und Logis geboten) 

Wie bist du zur Idee gekommen, ein Strohballenhaus zu bauen? 

Beim Wwoofen in Niederösterreich habe ich gemeinsam mit einem Bauer mit eigenem Holz, Stroh und Lehm ein Strohballenhaus errichtet. Seitdem wollte ich auch ein eigenes Strohballenhaus bauen. Danach bin ich nach Wien gezogen und doch Lehrer geworden. Vor zwei Jahren bin ich wieder aufs Land gezogen und habe einen Grund gekauft. Zufälligerweise habe ich dann auch eine angehende Architektin gefunden, die für ihre Diplomarbeit mein Haus konstruiert hat. Da war ich sehr happy. Mitte Julie 2015 habe ich mit dem Bau begonnen.

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Was ist das Besondere an einem Strohballenhaus? 

Das Ziel war es, sehr ökologisch zu bauen. Beispielsweise ist das Holz aus dem Waldviertel. Das ist jetzt nicht supernah, aber immerhin aus Österreich. Das Stroh ist von zwei Feldern weiter. 29Vergleichsweise hat Beton eine weite Reise, bevor dieser geliefert wird. Der Lehm, den wir gerade einfüllen, ist aus meiner Baugrube. Der Boden ist aus Schaumglasgranulat und das besteht aus Altglas. Bei meinem Haus handelt es sich um eine Holzriegelkonstruktion. Alle 87cm befinden sich Holzsteher und dazwischen haben wir zwei Strohballen stehend eingebaut. Und das Innere wird mit Lehm verputzt. Auch der Boden wird aus Lehm gemacht, ein sogenannter Stumpflehmboden. Am Schluss wird der Boden wie eine große Fliese, der mit Öl oder mit Bienenwachs behandelt wird.

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Warum wolltest du ein klimaneutrales Haus bauen?

Grundsätzlich geht es darum, dass ich meine eigene Idee verwirklichen wollte. Es gibt bereits viele Strohballenhäuser und jedes ist eigen. Das ist kein Haus von der Stange. Ich möchte halt möglichst so leben, dass ich die Umwelt so wenig wie möglich belaste.

Woher hast du dein Know-How erlangt?

Ich lerne gerade sehr viel. Die Holzkonstruktion ist beispielsweise vom Holzwerk gekommen. Die Architektin hat das geplant. Ich habe aber auch einige Strohballen-Seminare gemacht. Es gibt einen „Strohballenhaus-Guru“, nämlich den Herbert Gruber. Dieser hat bei jedem Haus ein bisl mitgeredet und so auch bei meinem. Man muss aber viel im Internet nachsehen, aber das macht mir Spaß.

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Wie viele Menschen haben dich bisher unterstützt?

Die Idee war es, mit so vielen Helfern wie möglich das Haus zu bauen. Das waren sicher über 50 HelferInnen. Ohne diese würde es noch viel länger dauern. Viele Sachen, die sehr komplex sind, lasse ich von Firmen machen.

Was sind Träume für dich?

Ein glückliches Leben führen. Da zählt für mich Zufriedenheit, gute Portion Ruhe, Freunde haben und ein Teil an Selbstversorgung. Ich habe hinter dem Haus auch ein Gewächshaus geplant.

Welchen Energiewert hat dein Haus?

Energiewert hat es einen relativ mittelmäßigen. Ich bin aber auch nicht derjenige, der im Winter 24 Grad Raumtemperatur braucht.

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Was sind deine Haupterfahrungen bezogen auf den Hausbau?

Die erste Erfahrung ist: Ich habe mich total verschätzt. Ich habe mich sicher um zwei Jahre verschätzt. Wenn man vorhat,  viel selber zu machen, dann muss man sich auch die Zeit nehmen.  Eine weitere Erfahrung war, dass ich genauso wieder bauen würde.

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Was waren beim Wwoofen deine Erfahrungen?

Ich war auf einem Permakultur Hof, der einer Ärztin gehört. Sie hat ihren Beruf aufgegeben, weil sie keine Freude mehr daran hatte. Dort wurden auch Samen vermehrt, was keine leichte Aufgabe ist. Sie hat auch selber Öle und Cremen gemacht.

Was war der bewegendste Moment in deinem Leben?

Die Geburt meiner Tochter. Die Scheidung war ein anderer Moment. Es gibt viele Moment, die sehr bewegend sind. Ein weiterer Moment war, dass ich doch Lehrer geworden bin, obwohl ich fünf Jahre etwas anderes gemacht habe. Als Lehrer macht mir am meistens Spaß, wenn sich die Kinder freuen. Als Physik-Lehrer macht mir der Laborunterricht am meisten Spaß, da können die Kinder experimentieren.

Wie würde dich dein bester Freund beschreiben?

Mein Jugendfreund hat zu mir gesagt: „Alle paar Jahre änderst du dich total“ Ich bin immer offen für Neues. Ich finde oft etwas und knie mich richtig rein, wie beim Haus jetzt.

Was war dein prägendster Lebensabschnitt?

Dass ich Gott wieder gefunden habe. Ich war während meines Studiums ein totaler Atheist. Seit einigen Jahren sehe ich, dass Gott viel mehr ist, als uns immer gesagt wurde. Das sind Natur, die Menschen und die Seele.

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Was bedeutet es für dich, etwas zu erschaffen?

Wenn ich etwas erschaffe, muss ich Freude daran haben.

 

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