Interviews, Interviews
Schreibe einen Kommentar

Nomadin Valerie

Valerie

Mit bereits 20 Jahren entscheidet sich Valerie, Nomadin zu werden. Sie hat sich von nahezu all ihren Besitztümern entledigt und genießt ihre Freiheit. Auf ihrer Reise möchte sie viele magische Momente erleben.

„Ich habe immer viel gesammelt und der Besitz hat sich schwer angefühlt – als wie wenn er mich runterdrückt“

Erzähl von deinem Leben!

Valerie ist nicht der Name, der auf meiner Geburtsurkunde steht. Da steht Theresa. Ich hab auch keinen zweiten Namen. Aber mit circa 14 Jahren hat mich der Name Valerie gekreuzt und dann hab ich mich Valli genannt, den niemand verwendet. Bis ich 17 Jahre alt war, haben alle zu mir Daisy gesagt war. Dann habe ich mich ganz schön verändert und wollte quasi einen Neustart. Und fand auch selbst, dass der Name Daisy nicht mehr zu mir passt. Und deswegen habe ich mich dann Valerie getauft. Das haben die Leute eigentlich ganz schön schnell angenommen. Mir hat der Name gut gefallen und die lustige Geschichte ist, dass meine Mama, wie ich noch klein war, Geschichten über die Uromi in Wien erzählt. Sie hat beispielsweise ein Stück von ihren Haaren abgeschnitten, um einen Pinsel zu machen. Oder zu irgendeinem Anlass sind meine Mama und meine Uroma in den Prater gefahren und sind mit einem wilden Gefährt gefahren. Sie hat dann aber beim Zurückfahren im Auto gekotzt. Sie hat selbst im hohen Alter noch einen Spaß gehabt. Und ihr Name war Valerie. Das wusste ich aber nicht.

Womit verbindest du den Namen?

Ich verbinde den Namen mit einer sehr starken Frau. Und ich habe das gerne als Vorbild.

Was war der prägendste Moment in deinem Leben?

Ich kann nicht sagen, dass es einen Moment gab, der mich geprägt hat. Es ist total schwer. Es waren ein paar Schlüsselerlebnisse oder ein paar Sachen, die sich in meinem Leben aufgebaut haben. Zum Beispiel: Ich habe angefangen mir zu wünschen, dass ich ganz wenig besitze. So wenig, dass ich es überschauen kann. Das ist vor circa zwei Jahren in mein Leben gekommen. Ich war einfach überfordert mit meinem Besitz an materiellen Dingen. Es hat sich viel angesammelt wie zum Beispiel Steine und Muscheln. Und dann hat mich der Besitz einfach belastet und ich habe damit begonnen, auszumisten – immer mehr auszumisten.

valerie_baum

Von einem Tag auf den anderen?

Ja. Ich habe auch ein Buch gelesen von einer Japanerin. Das  Buch heißt „The magic of tidying up“. Es geht darum, dass wenn man alle Sachen hergibt, die einen gar nicht wirklich glücklich machen und die Sachen, die man dann noch besitzt ordnet, dass es einen selbst ordnet und glücklich macht. Und ich habe das auch gemacht. Das war für mich wie eine Reinigung. Ich habe damals den „Kost Nix“ Laden geleitet und da nimmt man viel Zeug mit, das man eigentlich gar nicht braucht. Und mit jedem Umzug ist mir aufgefallen, dass ich noch immer so viel habe. Das war der Moment, wo ich mich entschieden habe, dass ich Nomadin werde. Ich habe gemerkt, dann bin ich nicht an einen Ort gebunden. Und ich finde es total anstrengend, mich um meine Wohnung zu kümmern. Ich möchte gerade auch nur einen überschaubaren Berg an Sachen haben, am besten nur einen Rucksack. Alles,  was ich brauche im Leben, möchte ich mit mir herumtragen. Da ich auch nicht an einen Ort gebunden sein möchte, habe ich auch keinen fixen Job und eine Wohnung ist dann auch unnötig. Es hat sich so ergeben und war kein Ziel. Jetzt ist es schon ein Ziel.

ausblick-balkon

Was bedeutet der Begriff Nomadin für dich?

Das bedeutet für mich, dass man kein fixes Zuhause hat, keinen fixen Wohnort. Das heißt aber für mich nicht, dass ich weit weg gehen muss. Das möchte ich schon auch, aber es geht vorerst nicht soweit weg, weil ich ja noch die Massage-Ausbildung mache und das ist einmal im Monat am Wochenende. Da werde ich vorerst mit Lux und Vannia zusammenwohnen. Ich habe schon mit vielen Menschen zusammengewohnt und es ist immer ganz anders. Dann ist der Plan, dass ich nach Berlin gehe, um mein erstes Album aufzunehmen. Dort möchte ich Straßenmusik machen, aber schon etwas in der Hand haben. Später möchte ich eigentlich entweder in Österreich, Deutschland, Kroatien oder Slowenien „Woofen“ gehen, um zu lernen, wie man sich selbst versorgt.

Kannst du dir vorstellen, in der freien Natur zu übernachten?

Im Winter wäre es mir selbst mit einer Feuerstelle zu kalt. Aber ich möchte so sehr im Einklang mit der Natur leben, so sehr es nur geht. Mit einer Komposttoilette oder was auch immer. Es kann auch gerne ohne Strom sein. Also wenn Strom, dann mit dem, den man selbst erzeugt. Und ich möchte so wenig Luxus wie möglich.

valerie_musikerin

Was bedeutet für dich Freiheit?

Das ist sehr wichtig für mich. Ich habe immer viel gesammelt und der Besitz hat sich schwer angefühlt – als wie wenn er mich runterdrückt. Das ist auch in Zusammenhang mit der Wohnung schwierig, die ich jetzt aufgebe, obwohl sie mit dem Blick auf den Ötscher sehr schön ist. Ich habe es nur nicht geschafft, vom vierten Stock nach draußen zu gehen. Ich habe mich gefühlt wie Rapunzel, obwohl ich viel zu kurze Haare dafür habe. Es war für mich wie ein Gefängnis. Durch die Trennung von meinem Besitz fühle ich mich frei.

schweiz

Glaubst du, dass diese Freiheit auch eine Einsamkeit mit sich bringt?

Ich bin mir sicher, dass ich auf meiner Reise auch einsam sein werde, aber das bin ich auch hier schon. Nach der Ausbildung möchte ich alleine nach Costa Rica gehen, um dort eine Yoga- und Tanzlehrerausbildung zu machen. Für mich ist es momentan die beste Art, weil ich so sehr mit mir selbst beschäftigt bin, dass ich für keinen anderen Menschen Platz in meinem Leben habe. Ich kann mich gerade nicht auf jemanden anderen einlassen, weil dann vergesse ich mich selbst. Es ist gerade wichtiger für mich, dass ich mehr über mich erfahre. Erst wenn ich diese Phase abgeschlossen habe, dann möchte ich mit Menschen auch wieder zusammen wohnen. Für mich ist die Einsamkeit auch schön.

Wie finanzierst du deine Reise?

Beim „Woofen“ ist es sowieso so, dass man für Arbeit, die man am Hof macht, im Gegenzug Wohnung und Essen bekommt. Und mehr brauch ich nicht. Ansonsten würde ich durch Straßenmusik, Gelegenheitsarbeiten,  aber auch mit Massagen Geld verdienen.

Wie reagiert die Familie auf deine Entscheidung?

Auf die Entscheidung „Woofen“ zu gehen haben sie sehr positiv reagiert, aber wie ich gesagt habe, dass das heißt, dass ich von hier ausziehe, waren sie geschockt. Da sind sie dann ein bisschen gestresst und wütend. Aus dem Grund, weil sie sich um mich sorgen. Meine Eltern haben diese Seite an mir schon akzeptiert. Ich bin doppelter Steinbock und mache fast immer, was ich möchte. Sie haben auch schon 20 Jahre Zeit gehabt, dass sie mich kennenlernen. Meine Eltern sind ein Geschenk.

Was erwartest du von deiner Zeit als Nomadin?

Ich möchte viele Erfahrungen sammeln. Und ich würde mir wünschen, noch mehr magische Momente zu erleben. Ich habe diesen Sommer am Rainbow Gathering gemerkt, dass ich in so einer Gemeinschaft mein Leben verbringen möchte. Das ist ein Wunsch von mir. Ich möchte in Zukunft in solchen Gemeinschaften leben. Für mich ist das eine wunderschöne Lebensform, in der ich mich am wohlsten fühle.

valerie_baum2

Dokumentierst du deine Reise?

Ich habe seit einer Woche wieder ein Smartphone und es ist ur schräg. Ich wollte eigentlich keines besitzen, aber ich verkaufe auch gerade am Wohnungsflohmarkt meinen Laptop und dann habe ich keinen Zugang mehr zum Internet und mir ist der Kontakt zu meiner Familie und meinen Freunden sehr wichtig. Ich hab mir schon überlegt, ob ich meinen Blog, den ich schon jahrelang gehabt habe, wieder aktiviere. Für mich ist Facebook zu unpersönlich und nur noch Arbeit. Das ist kein Ort, wo ich gerne Fotos von mir hochladen möchte.

kanarische-inseln

Valerie bei den kanarischen Inseln

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*