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Wandern, Natur, Wildcampen. 4 Tage am Bärentrail

bärentrail

Ich habe bei meiner 4-tägige Wanderung nicht nur die Natur wieder entdecken können, sondern mir auch einen Abstand zum alltäglichen Luxus geschaffen. Und das alles zu zweit in der Wildnis umgeben von Wäldern, Steinformationen und Flüssen im Waldviertel.

Tag 1 „Der Vier Pfoten Bärenwald“

In Arbesbach, in dem Ort, wo wir auch unsere Tour gestartet haben, besuchten wir noch vorher den Vier Pfoten Bärenwald. Ein Refugium für Bären, die die Schutzorganisation mühevoll gerettet hat. Die Bären mussten bevor sie nach Arbesbach kamen, Grausames erleben. Es gibt viele schreckliche Schicksale im Bärenwald. Eines davon machte mich am meisten betroffen. Gerlinde, eine Vier Pfoten Tierpflegerin, erzählte uns, dass Tanzbären als junges Tier auf eine heiße Herdplatte gestellt werden und gleichzeitig Musik abgespielt wird. Nach vielen Wiederholungen dieser Qual tanzen die Bären beim Abspielen der Musik auch ohne heiße Platte. In dem liebevoll angelegten Gehege haben sie nun ein neues Zuhause gefunden und werden bestens versorgt. Es hat richtig Freude gemacht, die Bären in einer schönen Umgebung herumtapsen zu sehen. Ein Must-See, der auch ideal für Familien ist.

Vier Pfoten

Danke Gerlinde für die spannende Führung!

…und die Teufelsmauer

Nachdem wir zwei Stunden unterwegs waren, mussten wir feststellen, dass einerseits unsere großen Rucksäcke doch schwerer waren als vermutet und andererseits, dass wir in die falsche Richtung gingen. Da wir beide aber nicht auf das planmäßige Wandern auswaren, sondern viel lieber auf ein Abenteuer und die Natur genießen wollten, kümmerte uns das wenig. Schlussendlich landeten wir bei Dämmerung bei der Teufelsmauer -eine imposante Steinformation-, wo wir auch beschlossen zu übernachten. Bei diesem okkulten Platz soll Odin seine Halle haben und es thront eine „steinerne“ Föhre verlassen auf dem Stein. Den ersten Tag ließen wir bei einer Flasche Rotwein über Odins Halle mit Blick auf den Sternenhimmel ausklingen. Für mich war der Wald aufgrund der Millionen Ameisen auch als Ameisenwald in Erinnerung geblieben. Durch den weichen Nadelboden schlief es sich gut.

bärentrail teufelsmauer

Die Teufelsmauer

Tag 2 „Auf zur Schütt!“

Am nächsten Morgen passierten wir den Hundemoorbadeteich und erreichten den Ort mit dem schönen Namen Pretrobruck. Eigentlich wollten wir dort essen gehen, entschlossen uns aber kurzer Hand, einfach weiterzumarschieren. Nach einiger Zeit erreichten wir Lohnbachfall. Ein sehr schönes Naturspektakel, das den heißen Sommertag durch den Bach richtig erträglich machte. Nun war der Hunger schon sehr groß und unser Wasservorrat ging zur Neige. Selbstverständlich hatten wir genug Verpflegung dabei, aber unser Wasser war durch die Hitze und die viele Bewegung sehr schnell verbraucht. In Lohn mussten wir ernüchtert feststellen, dass kein Gasthaus geöffnet hatte. Tja, ohne Wasser drohte dieses kleine Abenteuer etwas schnell zu Ende zu gehen. Hartnäckig kämpften wir uns auch mit trockenem Mund voran und erreichten den Skulpturpark. Dort durften wir bei einem einsamen Haus Wasser in unsere Flaschen füllen. Nach einer kleinen Brotzeit begaben wir uns Richtung Rapottenstein.  Einige Kilometern später erreichten wir die Schütt. Uns gefiel es dort so gut, dass wir uns entschlossen, den restlichen Tag am Wasser zu verbringen. Die Schütt ist bekannt für die riesigen Steine im Flussbett, die bei Hochwasser vollkommen verdeckt sind und sonst zum erkunden einladen.

Bärentrail Schütt

Schützt am Bärentrail

Tag 3 „Gewitter im Paradies“

Am vorletzten Tag ging unsere Reise ins Waldbad, wo uns ein starkes Unwetter überraschte. Glücklicherweise konnten wir uns im angeschlossenen Beisl unterstellen und bei einem Bier das Gewitter genießen. Nachdem Donner und Blitz weiterzogen, machten auch wir uns auf den Weg ins Paradies. Ja, das heißt wirklich so! Das Paradies ist ein Urwald mitten in Österreich. Farne, Eidechsen und Gräser soweit das Auge reicht. Nach einem Picknick am Kamp suchten wir uns wieder einen Platz, wo wir unser Zelt aufstellen konnten. Und wieder donnerte es. Als wir eine schöne Waldlichtung fanden, genossen wir die Unwetterstimmung im Paradies und erfreuten uns an der guten Regen-Waldluft. Das Gewitter war zu diesem Zeitpunkt schon weiter weg.

Waldbad Bärentrail

Gewitter im Waldbad

Tag 4 „Zurück nach Arbesbach“

Nach einer sehr erholsamen Nacht -bis auf die fürchterlichen Brunftschreie eines Fuchses- machten wir uns auf den Weg zurück. Am Weg erfreuten wir uns noch an den schönen Weiden am Kamp und den Höllfall, einem Wasserfall im Wald.

Bald wieder!

Den Bärentrail werde ich bestimmt ein weiteres Mal gehen. Es gibt noch so viele Sehenswürdigkeiten, die ich in meinem unbeschwerten Drauflosgehen ausgelassen habe. Und es hat eine außergewöhnlichen Effekt auf meine Psyche. Die vier Tage am Bärentrail haben mir echt gut getan.

Die Natur und die Bewegung haben mich wirklich wieder ausgeglichen und entspannt. Und einmal mehr habe ich gelernt, dass gerade Sport im Freien für mich sehr erholsam ist und auch nicht wirklich viel kostet, außer vielleicht etwas Überwindung. Lest hier wie ihr mit Sport euer Wohlbefinden erhöhen könnt.

Zusätzlich habe ich den Luxus „Bett“ und „Auto“ neu schätzen gelernt. Die meisten Nächte waren super angenehm, aber nicht zu vergleichen mit einem warmen und weichen Bett. Ein Schlafsack kann kuschelig sein, aber der Waldboden ist doch härter. Klar gewöhnt man sich schnell an alles, aber wenn ich es mir aussuchen kann, dann ziehe ich mein Bett vor. Wie schnell man ohne Anstrengung mit dem Auto von „A“ nach „B“ kommt, ist mir einmal mehr bewusst geworden. Es ist kein Vergleich, wenn man nur zu Fuß unterwegs ist und ein Wassermangel bevor steht, kann das schnell zu einem größeren Problem werden. Gerade abseits von Luxus lernt man zufriedener zu werden und auch genügsamer zu sein, mit dem was man hat.

Tage in der Natur mit wenig Handy-Einfluss sind länger, schöner und konnten von mir bewusster genossen werden. Es standen nicht Welt-Nachrichten an oberster Stelle. Vielmehr freuten wir uns darauf, welchen einzigartigen Naturschauplatz wir als nächstes entdecken. Dem Vogelgesang, dem Rauschen der Wälder und dem Plätschern der Flüsse zu lauschen, entspannte viel mehr, als das Geräusch eine E-Mail zu erhalten.Kein Wunder! Wenn man aber so wie ich diese schönen Naturwunder schon lange nicht mehr gehört hat, ist es umso schöner.

Regenwald Paradies Bärentrail

Im Paradies

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