Allgemein, Lebenskunst
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Wie ich zu mir selbst gefunden habe und die Learnings daraus.

Eine universelle Anleitung, wie man zu sich selbst findet, gibt es nicht. Jede Lebenslage und jeder Charakter hat wohl einen eigenen Zugang. Aber meine Geschichte war diese:

Ich glaube, so wie bei vielen ist es so, dass alles bei der Pubertät anfängt. Bei mir begann es, als der erste gesellschaftliche Druck auf mein Leben Wirkung entfaltete. Zum ersten Mal musste ich eine Freundin bekommen, denn zumindest war es in meinem Umfeld so, dass einem als Single die Coolness sonst fehlte. Zur gleichen Zeit war es auch immer ein Muss, so wie auch jetzt, gut auszusehen. Ohne perfektes Aussehen und Stil glaubte ich, niemanden zu finden, zumindest in meiner Wahrnehmung. In meinem Fall war es starke Akne, die mich in ein Loch riss. Denn zu diesem Zeitpunkt hielt ich mich für hässlich und das wirkte sich leider auch auf mein Inneres aus. Durch diese Einbildung zog ich mich zurück und wurde, wie man es gemein hin als introvertiert bezeichnet. Dafür waren feindselige Kommentare, die auf mein Aussehen abzielten, nicht gerade hilfreich. Ich verhielt mich ruhig, nur um nicht das Ziel von Beleidigungen zu werden. Mich zu wehren oder es einfach zu verkraften, war mir leider nicht möglich. Es gab Tage, an denen verfluchte ich meine Existenz. Es fiel mir schwer, meine Wünsche zu äußern, ich hatte Angst vor jedem kommenden Tag und den Herausforderungen. Ich hatte das Gefühl, dass mich niemand mag und lenkte mich tagsüber mit nervigen amerikanischen Soaps mit künstlichen Gelächter ab. Meinen Tiefpunkt hatte ich wohl in der 5. Klasse Gymnasium, als drei Nicht genügend mein Zeugnis zierten. An dieser Stelle wusste ich, dass nun etwas passieren musste.

Obwohl sich sehr viele liebe Menschen um mich gekümmert hatten, hatte niemand wirklich einen derart prägenden Einfluss wie mein Freund Akan. Er gab mir mit seiner humorvoll-gelassenen Art und dem Hobby Sport eine Kehrtwende meiner persönlichen Entwicklung und ebnete den Weg zur Selbstfindung. Wir gingen nicht nur gemeinsam zur Schule, sondern auch noch ins Fitnessstudio. In meinem Fall wurde ich durch die sportliche Aktivität zu einem viel selbstbewussteren Menschen, der das Leben viel mehr schätzte. Durch den frischen Wind entschloss ich mich eine Akne-Kur mit regelmäßigen Bluttests zu unternehmen. Nachdem die Medikamente meinem Äußeren zu einer Besserung verhalfen, entwickelte ich eine positive Einstellung zu mir und meinem Umfeld gegenüber.

Nach diesen Erfahrungen wollte ich nicht stehen bleiben. Natürlich gibt es wirklich nichts Schlechtes an einer Introvertiertheit auszusetzen. Ich finde das hat Julie von die mit dem roten Lippenstift in ihrem Artikel „Du musst lauter werden“ gut auf den Punkt gebracht. Für mich war es nun mal so, dass ich einfach gespürt habe, dass ich nicht der schüchterne Junge bleiben wollte. Auch jetzt bin ich nicht der Lauteste von allen, aber ich habe gelernt meine Wünsche nach Außen zu bringen. Zugegebenermaßen stehe ich mittlerweile auch gerne mal im Mittelpunkt.

Ich habe daraus gelernt, dass wahre Schönheit von Innen kommt, aber auch, dass das Äußere einen Teil beiträgt. Wie auch immer das mit der Schönheit ist, habe ich für mich festgestellt, dass ein innerer Ausgleich Attraktivität ausstrahlt. Ein Lächeln im Gesicht erweckt viel mehr Sympathie als ein griesgrämiger Gesichtsausdruck. Feindselige Kommentare sind auch nicht immer so gemeint, wie ich sie selbst oft wahrnehme. In vielen Fällen war es einfach so, dass meine schlechte Grundstimmung einen Einfluss auf das Verständnis der Aussagen meiner Mitmenschen genommen hat.  Selbst wenn eine bös-gemeinte Meldung kommuniziert wird, darf diese noch lange keinen Einfluss auf mein Wohlbefinden nehmen.

Für mich ist der Begriff Introvertiertheit keine Beleidigung mehr. Ich nehme introvertierte Menschen oftmals als Ruhepole wahr, die mich mit ihrer Offenheit begeistern. Seitdem ich meine Wünsche offen bekunde, kommt es zu weniger Missverständnissen und das trägt zu meinem Wohlbefinden bei. Die Hauptsache ist doch die: Jeder Mensch kann sein wie er möchte. Jedoch muss diese Entscheidung von innen kommen und nicht von Außenstehenden diktiert werden. Ja, ich weiß der Spruch könnte auch aus einem billigen Hollywoodfilm stammen, aber es ist halt doch etwas wahres daran.

Und wann ist der Weg der Selbstfindung zu Ende? Die Frage ist klar mit „er ist nie zu Ende“ zu beantworten. Täglich erfahre ich etwas mehr über mich selbst, jeder Streit oder jede Kränkung macht mich zu dem Menschen, der versucht, ein bisschen mehr über sich und andere herauszufinden. Ich habe mein Ziel erreicht, indem ich eine ausgeglichene Basis für meinen Gemütszustand gefunden habe und mich den Herausforderungen des Lebens freudig zu stelle.

 

4 Kommentare

  1. Michaela sagt

    Das ist ein richtig toller Artikel! Gefällt mir sehr gut und daraus kann sich auch ein/e jede/r was draus mitnehmen. Zumindest spricht er mich sehr an. Freu mich schon auf weitere gute Artikel von dir :-). LG Michaela

    • Christopher sagt

      Danke Michi, ich freu mich schon auf deine Meinung über den nächsten Artikel 🙂

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